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Gedanken eines Bergmannes

Sonnenschein-Garantie für den Ostsee

Ein bewegender Moment: "Früher war das Wasser unser Feind, heute wird das Ding hier geflutet", sagt Michael Kadler, der den künftigen Ostsee mit "ausgebaggert" hat. FOTO: LR / Anja Hummel

Cottbus. Bergmann Michael Kadler hat 20 Jahre im Tagebau Cottbus-Nord gearbeitet. Jetzt wird aus „seiner Grube“ der größte künstliche See Deutschlands. Der Fachmann prophezeit Sonnenschein-Garantie. Die RUNDSCHAU hat seine Gedanken zum Flutungsstart eingefangen.

Das imposante Rauschen ist nicht zu überhören. Erst als sich die meisten Menschen sattgesehen haben, bahnt sich Michael Kadler seinen Weg ans Geländer. Er legt einen Arm darauf ab und blickt nach unten. Das Wasser rauscht. Nun kann er es auch sehen. Wenige Minuten später spricht er von einem Gänsehaut-Moment, sagt, er sei schwer beeindruckt. Der 58-Jährige ist live dabei, als die ersten Kubikmeter Wasser in genau die Grube fließen, die er 20 Jahre mit ausgebaggert hat. In fünf Jahren soll sich „seine Grube“ in den größten künstlichen See Deutschlands verwandelt haben.

Vom Schlosser zum Steiger

Noch heute ist Michael Kadler aktiver Bergmann. Er gehört nicht zu den wortkargen. Er ist einer, der gerne erzählt. An seinen ersten Tag in der Grube im Tagebau Cottbus-Nord erinnert er sich bestens: „Es war unwahrscheinlich warm und der Einarbeiter hat wenig gesprochen und viel hantiert“, erzählt er. In der Ferne hinter ihm dampfen die Jänschwalder Kühltürme. Als Bandmaschinist kam er damals auf die Förderbrücke, war für die Kontrolle zuständig. Der gelernte Schlosser hat sich später zum Bagger- und Brückenfahrer weiterqualifiziert. „Diese Ecke dort drüben“ – er steht auf der Plattform vor dem Tagebau, hebt seinen linken Arm, zeigt mit dem Finger Richtung Osten – „die habe ich ausgebaggert.“ Darauf ist er stolz, erzählt der zweifache Vater. „Ich habe immer gesagt, ich bin Landschaftsgestalter. Ich habe ja auch die Gegend umgegraben.“ Rechts der gelbe Kies, links der tiefe Erdboden. Tag um Tag das gleiche Bild, erzählt er. 217 Millionen Tonnen sind hier gefördert worden – im Tagebau „Sonnenschein“, wie Michael Kadler seinen früheren Arbeitsplatz bezeichnet. „Na wegen der Gemütlichkeit“, sagt er wie selbstverständlich. „Es hat kaum Störungen gegeben, die Zusammenarbeit zwischen den Gewerken war sehr gut, die Atmosphäre war einfach familiär“, blickt er zurück. Heute ist der Schmellwitzer als Steiger – als Aufpasser im Bergbau – in Jänschwalde im Einsatz. 47 Mitarbeiter betreut er. „Zwei Stunden Büroarbeit, fünf Stunden Kontrollfahrten“, beschreibt Michael Kadler seinen Einsatz kurz und knapp. Anders als damals im Tagebau „Sonnenschein“ gibt es in Jänschwalde „mehr Rotation im Schichtsystem. Da dauert es länger bis die Leute zueinander finden.“

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