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Bedauern über Verlust von „großstädtischem Flair“

Angst vor zu viel Polizeipräsenz in Cottbus

Die Doppelstreifen von Polizei und Ordnungsamt haben die Situation in der City beruhigt. Jetzt signalisiert ihre Präsenz für einige Menschen Gefahr. FOTO: dpa / Patrick Pleul

Cottbus. Der Anblick von Uniformierten führt zunehmend zu Unsicherheit bei Einwohnern.

Die Polizei will ihre Streifen in der Cottbuser Innenstadt neu aufstellen. Das teilte Bettina Groß, Leiterin der Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße, im Rahmen einer BTU-Vorlesung mit.  Anlass war eine Frage von Richard Schenker vom Verein Haus & Grund. Schenker berichtete zunächst von einer unguten Stimmung in seiner Nachbarschaft am Bonnaskenplatz. „Viele Anwohner trauen sich inzwischen nicht mehr in den Puschkinpark, auf den Stadthallenvorplatz oder den Bereich am Blechen Carré.“ Der Grund für ihre Angst: „Wenn dort so viele Polizisten und Mitarbeiter des Ordnungsamtes mit Schutzwesten herumlaufen, dann muss es ja dort gefährlich sein.“

Ein Trugschluss, der die Polizei allerdings nicht überrascht. „Wir wissen aus Studien, dass eine starke Polizeipräsenz zunächst das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger erhöht und natürlich auch objektiv für eine Verringerung von Straftaten und Konflikten sorgt“, so Bettina Groß. „Aber irgendwann kehrt sich das Phänomen um: Dann macht die Präsenz der Beamten eher Angst, weil sie suggeriert, dass ein Areal besonders gefährlich ist.“

Die Polizei in Cottbus hatte seit Beginn des Jahres 2018 zusammen mit der Stadt ein ganzes Bündel von Maßnahmen ergriffen, um die Situation in der Innenstadt zu beruhigen. Dazu gehörten regelmäßige Fußstreifen von Polizei und städtischem Vollzugsdienst, Präsenzkontrollen in den öffentlichen Verkehrsmitteln, deutlich wahrnehmbare Präsenz von Polizei und Ordnungsamt bei Großveranstaltungen wie dem Karnevalsumzug, dem Stadtfest und auf dem Weihnachtsmarkt. Bettina Groß: „Die Maßnahmen haben gewirkt, allerdings gab es Verdrängungseffekte.“ Jetzt könne man darüber nachdenken, ob man die Doppelstreifen an den Stellen einsetzt, an denen sich neue Brennpunkte herauskristallisieren. Richard Schenker ist skeptisch. „Wer weiß schon, was passiert, wenn dann wieder weniger Polizei auf den Straßen unterwegs ist.“ Zudem vermisst er das frühere „großstädtische Flair“, das von Flaneuren und Passanten im Puschkinpark ausgegangen sei. „Das war doch schön, wenn die Leute dort zusammengesessen haben oder an der Slackline geturnt haben.“

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