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Große Stimme in Cottbus

„Was die Welt jetzt braucht...“

Als leidenschaftliche Diva präsentiert sich in Cottbus Ute Lemper zum „Rendezvous mit Marlene“. FOTO: Frank Hammerschmidt

Cottbus . Weltstar Ute Lemper erinnert mit einem sehr gegenwärtigen Programm an Marlene Dietrich.

Weltflair verbreitet sich Samstagabend in Cottbus, Glanz, Glamour und Großherzigkeit. Es beginnt, als eine eindringliche Stimme auf der Stadthallenbühne eine Frage stellt, die fast vergessen schien und doch so gegenwärtig ist: „Sag mir, wo die Blumen sind?“

Einer der wenigen deutschen Weltstars hat den Weg in die Lausitz gefunden, um gleich mit Pete Seegers berühmtem Lied den Sinn von Kriegen in Zweifel zu ziehen. Diese Diva im hochgeschlitzten Kleid, die gekonnt ihre Stimme einzusetzen vermag – und auch ihre langen Beine: Ist das Marlene Dietrich oder „die neue Marlene“? Ute Lemper, die so 1988 von den Gazetten in Frankreich nach ihrem grandiosen Auftritt im Musical „Cabaret“ gefeiert wurde, lässt das Publikum den Unterschied zuweilen vergessen. Und holt es mit ihrer ganz eigenen Art der Interpretation und drängenden Fragen immer wieder in die Gegenwart zurück.

Damals, 1988 in Paris, war die gebürtige Münsteranerin, die heute in New York City lebt, 23 Jahre alt und ganz am Anfang ihrer Karriere. Eines Tages klingelt ihr Telefon. Unfassbar: Marlene Dietrich ist am anderen Hörer, um sich für die Post zu bedanken, die ihr die junge Kollegin direkt in die Avenue de Montaigne 12 schickte, wohin sich die alternde Diva vor der Welt zurückgezogen hatte. Jahrzehnte danach lässt nun Ute Lemper ihre Zuhörer teilhaben an diesem dreistündigen Telefongespräch, an ihrem ganz persönlichen „Rendezvous mit Marlene“. Uraufgeführt in Paris, Deutschlandpremiere im November in Dresden, nun Cottbus. Und obwohl der Saal groß ist, gerät das Programm zu einer sehr intimen Zwiesprache, auch mit dem Publikum. Ute Lemper erinnert an das aufregende Leben Marlene Dietrichs zwischen Disziplin, Leidenschaften und Liebschaften, lässt sie gestehen: „Meine Seele gehört Frankreich, mein Herz England. Deutschland gehört mein toter Körper.“ So wird das komplizierte Verhältnis zu Deutschland offenbar, das sie als fesche Lola in „Der Blaue Engel“ erst zum Star machte, ihren Weggang nach Amerika aber nie ganz verzieh. Im Hitlerkrieg stand sie auf der anderen Seite. Und noch 15 Jahre danach, behandelte man sie als Vaterlandsverräterin und schleuderte ihr „Marlene go home“ entgegen. Ihre letzte Ruhestätte wurde zwar Berlin. Eine große Trauerfeier aber gab es für sie nicht, weil man Neonaziaufmärsche fürchtete...

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