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Familiendrama von Werben

„Wir müssen alle sterben“

FOTO: LR / Wendler Simone

Cottbus/Werben. Ermittler liefern im Zeugenstand Details zum blutigen Familienstreit in Werben.

„Tu’s nicht“, habe die Mutter gerufen. Ein Ermittler sitzt am Donnerstagmorgen im Zeugenstand des Cottbuser Landgerichts. Er hatte Bernd K. einen Tag nach dem Familiendrama von Werben auf der Intensivstation im Krankenhaus vernommen. K. hatte versucht, sich selbst das Leben zu nehmen, nachdem er 2013 seine Mutter, seinen Adoptivvater und seinen Bruder mit Messern attackiert hatte. Seiner Mutter, habe K. gesagt, habe er die Kehle durchschneiden wollen, war ihr mitten in der Nacht ins WC gefolgt, hat dort auf sie eingestochen. „Mama, ich habe dich lieb, aber so geht es nicht weiter. Wir müssen alle sterben“, habe K. gesagt, bevor er auf seine Mutter einstach. K.s schwer verletzte Mutter habe sehr schnell gesprochen, viele Sprünge in ihren Schilderungen gemacht, sagt ein zweiter Ermittler, der K.s erstes Opfer im Krankenhaus in Berlin vernehmen musste. Er solle aufhören, habe die Mutter zu K. gesagt. Sie wolle leben.

Fast genau fünf Jahre ist die Bluttat von Werben her. K. hat sich in der Zeit stationär psychiatrisch behandeln lassen, hat sein Medizinstudium beendet – die Untersuchungshaft blieb ihm erspart. Ein psychiatrisches Gutachten soll in der kommenden Woche Aufschluss über seinen mentalen Zustand geben. Die Mutter, sagt einer der Ermittler, habe angegeben, dass ihr Sohn – vom Studium gestresst – schon vor der Tat „psychiotische Züge“ gezeigt habe. Er habe kaum noch geschlafen. Vielleicht habe der Abend, an dem sich Mutter und Adoptivvater erneut gestritten hatten, das Fass zum Überlaufen gebracht.

Er sei froh gewesen, dass er seine Familie nicht getötet habe, sagt der Beamte, der K. im Krankenhaus vernommen habe. Schon vor der Vernehmung habe der Mann gewusst, dass Mutter, Bruder und Adoptivvater überlebt hatten.

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