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Cottbus

Wer behindert hier wen?

Thomas Schirmer muss am Muskauer Platz auf den Parallelverkehr hören, um zu wissen, wann er an der Ampel Grün hat. FOTO: LR / Peggy Kompalla

Cottbus. Der eine Cottbuser ist fast blind, der andere schwerhörig. Um Normalität müssen sie kämpfen.

Wenn Thomas Schirmer aus dem Haus geht, hat er immer einen Stock dabei, dessen Spitze über den Asphalt rattert. Der Cottbuser kann damit seinen Weg erfühlen. Diese Hilfe braucht er, sieht er doch trotz dicker Brillengläser nur schemenhaft. „Hell und Dunkel kann ich erkennen“, erzählt er. „Und Farben.“ Seit seiner Kindheit ist das so – angeborener grauer und grüner Star. „Ich kenne es nicht anders.“ Der 38-Jährige lässt sich von dieser Einschränkung nicht behindern. Das übernehmen andere. Genau das ärgert ihn. Denn oft muss er um Alltäglichkeiten kämpfen.

Heinz Sander sieht man nicht an, dass sein Hörvermögen weniger als zehn Prozent beträgt. Mit 17 Jahren bekam er sein erstes Hörgerät. Heute mit 75 Jahren hört er so gut wie nie zuvor, erzählt er. Der Technik sei Dank. Der Cottbuser hat sich von seiner Schwerhörigkeit nicht einschränken lassen, war jahrzehntelang als Bauleiter tätig. Als Rentner setzt er sich im Schwerhörigenverein für die Aufklärung ein – vor allem Hörender. Denn auf deren Wissen sind die Betroffenen angewiesen.

Thomas Schirmer ist in Sandow zu Hause. Dort kennt er sich bestens aus, weiß auch um tückische Stellen. Wie etwa die Kreuzung am Muskauer Platz. „Die Ampel kann ich nicht erkennen, und es gibt kein Tonsignal.“ Also wartet der 38-Jährige, bis der Parallelverkehr losfährt. Dann weiß er, dass auch er Grün hat. Ideal ist das nicht, aber es funktioniert.

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