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Lausitzer Unternehmen fit fürs Ausland

Warum die Ukraine wieder interessant wird

Das 1994 errichtete und schon mehrmals erweiterte Werk Freiwalde des mittelständischen Familienunternehmens Bals Elektrotechnik mit Sitz in Kirchhundem-Albaum (Nordrhein-Westfalen) verfügt über hochmoderne Fertigungsanlagen für die vollautomatische Herstellung von CEE-Steckvorrichtungen und ein leistungsstarkes Logistikzentrum. Foto: Bals ElektrotechnikFOTO: Bals Elektrotechnik

Cottbus. Der anhaltende Konflikt in dem Land und die Russland-Sanktionen der EU haben auch Lausitzer Unternehmen getroffen.

Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus pflegen aktuell circa 70 Unternehmen aus Südbrandenburg Geschäftsbeziehungen in die  Ukraine. Sie kommen vornehmlich aus  den Branchen Elektrotechnik, Maschinenbau und Energietechnik. Exporte im Wert von rund  34,8 Millionen Euro haben  Brandenburger Unternehmen  in den  Monaten Januar bis September 2017 mit ukrainischen Firmen abgewickelt. „Das ist nicht viel, aber es lässt hoffen“, sagt der Vorsitzende des IHK-Außenwirtschaftsausschusses, Dr. Thomas Brünig. Im Vergleich zu 2016 sei der Auslandsumsatz mit der Ukraine in den Monaten Januar bis September 2017 um sieben Prozent gestiegen. „Einfuhren aus der Ukraine konnten im gleichen  Zeitraum um fast 21 Prozent zulegen“, schildert der Osteuropa-Kenner Brünig und führt ein großes „Aber“ an. Denn die aktuell leichten Steigerungstendenzen können  den Einbruch der Auslandsumsätze seit Beginn der Unruhen im Jahr 2007/08, die auch mit der internationalen Finanzkrise  zusammenhingen, bei Weitem nicht wett machen,  sagt er.  „2012 bis 2016 sind die Exporte aus Südbrandenburg in die Ukraine von 124 Millionen Euro auf 40 Millionen Euro gesunken, das entspricht einem Rückgang von 68 Prozent.“ Dafür seien die Importe aus der Ukraine im Zeitraum 2012 bis 2016 von knapp 39 Millionen Euro auf mehr als 60 Millionen Euro (plus 56 Prozent) gestiegen. Ein Grund dafür liegt im starken Verfall der ukrainischen Währung in den vergangenen Jahren.

Die ukrainische Wirtschaft erholt sich moderat. „Im vergangenen Jahr ist das Bruttoinlandsprodukt voraussichtlich real um zwei Prozent gestiegen. Für 2018 rechnen Analysten mit einem Plus von 3,8 Prozent. Investitionen und eine hohe Nachfrage nach ukrainische Nahrungsgütern im Ausland stützen die Entwicklung“,  nennt der Fachausschussvorsitzende Gründe, die wieder für ein Ukraine-Engagement sprechen. Brünig ist Handlungsbevollmächtigter Osteuropa der Bals GmbH & Co. KG Bersteland (Dahme-Spreewald) und als solcher seit Jahren auch in der Ukraine viel unterwegs. Er verweist auf günstige Entwicklungen im Infrastrukturausbau und in der Energiewirtschaft. „Auch technische Regulierungen und Zertifizierungen entwickeln sich in Richtung EU-Standards, was Vorteile und Erleichterungen mit sich bringt, weil Handelsbarrieren abgebaut werden.“

Das gehe auf das am 1. September 2017 in Kraft getretene Assoziierungs- und Freihandelsabkommen zwischen der europäischen Union (EU) und der Ukraine zurück. „Seit 2016 legen die Investitionen wieder zu.“, schildert Brünig. Hinter der Finanzierung vieler Projekte stehen internationale Geldgeber. „Allein die europäische Investitionsbank stellt ein Finanzpaket von über drei Milliarden Euro bereit, unter anderem für die Transport- und Energieinfrastruktur, die Agrarwirtschaft und die Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen.“   Chancen, auch als Südbrandenburger Unternehmer Marktanteile zu sichern seien vorhanden, aber branchenbezogen „sehr unterschiedlich“. So gebe es zum Beispiel in den  Bereichen Logistik,  Infrastruktur und Anlagenbau viel  Nachholbedarf.

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