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Anlässlich des Theodor-Fontane-Jahres erwartet die Besucher gegen 17.30 Uhr der Höhepunkt des Abends. Schauspielerin Annekatrin Bürger liest unter dem Motto „Fontane – Ganz privat“ ausgewählte Briefe des Schriftstellers an seine Familie vor. Musikalisch begleitet wird sie von Hartmut Behrsing am Flügel und der Posaune.

Die Texte, die Annekatrin Bürger aus den rund 500 veröffentlichten Briefen Theodor Fontanes an seine Familie ausgewählt hat, zeigen den bedeutendsten Vertreter des deutschen Realismus von einer ganz anderen – einer menschlichen – Seite. Das Publikum lernt einen Theodor Fontane kennen, der nicht länger vom Olymp der deutschen Spitzenliteraten auf die Mark Brandenburg blickt. Seine persönlichen Zeilen offenbaren einen normalen Menschen mit Ängsten, Vorlieben und Erfahrungen, wie sie jedem Zuschauer im Publikum bekannt sein dürften. Ein junger ambitionierter Mann der seine Familie liebte, oft in Geldnot geriet, sich selbst als Vielfraß bezeichnete und eine Schwäche für Frauen mit kleinen Ohrläppchen und schmaler Oberweite hatte. Fontane nutzte das Medium Brief, um leidenschaftlich über den preußischen Staat zu schimpfen und gegen seine Verleger auszuteilen. Sogar seine Ehekrise ist postalisch dokumentiert.

Auch die Bezüge zur heutigen Zeit bleiben dem Publikum nicht verborgen, wie das Gedicht „Das Trauerspiel von Afghanistan“ zeigt. Gespickt mit ein paar bekannteren Gedichten, wie „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ und „An George Fontane“ bleibt das Programm in einem lockeren Rahmen. Annekatrin Bürger liest mit jener angenehmen Leichtigkeit, mit der Fontane seine Briefe verfasste. Die musikalische Untermalung durch Hartmut Behrsings Piano- und Posaunenspiel ist den Stimmungen der Briefe angepasst und ermöglicht einen tieferen Zugang zu Fontanes Gedanken. Am Ende der 90-minütigen Vorlesung wird eine Zugabe gewünscht. Das Gedicht „Es kribbelt und wibbelt weiter“ ist der humoristische Rausschmeißer einer gelungenen Abschlussveranstaltung, die sicher in Fontanes Sinne gewesen wäre.

„Ich bin von der Lesung begeistert“, äußert sich Wolfgang Seifling aus Plessa. Der 78-Jährige hat sechs weitere Veranstaltungen in der vergangenen Woche besucht und freut sich schon auf das nächste Jahr. „Es wäre schön gewesen, wenn heute Abend auch ein paar jüngere Zuschauer da gewesen wären“, sagt der Rentner.

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