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Gedenken

Gedenktreffen am Lager Mühlberg mahnt Gegenwart

Ehemalige Inhaftierte des Speziallagers Mühlberg: Ihnen war als Jugendliche oft unter fadenscheinigen Gründen für Jahre die Freiheit genommen worden. FOTO: Karsten Bär

Neuburxdorf. Brandenburgs Staatskanzleichef Martin Gorholt hielt am Samstag die Gedenkrede.

Am Sonnabend – auf den Tag genau 79 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges – fanden sich rund 250 Menschen in Neuburxdorf ein, um beim Mahn- und Gedenktreffen der Initiativgruppe Lager Mühlberg an das ehemalige Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht und spätere sowjetische Speziallager Mühlberg zu erinnern.

Während der Gedenkstunde am Mahnmal für die Toten des Kriegsgefangenenlagers auf dem Friedhof in Neuburxdorf, die wie  gewohnt in etwas kleinerem Kreis stattfand, erinnerte Bad Liebenwerdas Bürgermeister Thomas Richter an den vom Nazi-Regime in Deutschland vom Zaum gebrochenen Weltkrieg, der zu Millionen Toten, Zerstörung und Leid führte. Nicht nur das Kriegsgefangenlager Stalag IV Mühlberg, auch die spätere Einrichtung des Speziallagers sieht Richter als eine Folge dieses Krieges, auch wenn die direkte Verantwortung  dem damaligen stalinistischem Regime in der Sowjetunion zuzuschreiben sei. Aufgabe heute sei es, an das Unvorstellbare, das damals geschah, zu erinnern und Sorge zu tragen, dass es künftig weder Kriege noch Gefangenenlager gebe. Es gebe genug aktuelle Anlässe, die vor Augen führen, wie fragil Frieden, Demokratie und Menschlichkeit sind. Erinnerungsarbeit dürfe jedoch nicht in Ritualen erstarren, sondern müsse die Köpfe und Herzen der Nachgeborenen erreichen. Richter verwies in diesem Zusammenhang unter anderem auf die selbstorganisierten Bildungsreisen von jungen Schwimmern des Schwimmclubs Lubwart Bad Liebenwerda, die sich auf Fahrten nach Frankreich, Polen, Tschechien und zuletzt nach Amsterdam an Originalschauplätzen und teils im Gespräch mit Zeitzeugen über die dunklen Seiten deutscher und europäischer Geschichte informiert haben.

Nach dem anschließenden Gottesdienst, gehalten von Bad Liebenwerdas Pfarrer Torben Linke und musikalisch würdig von der Kantorei Mühlberg begleitet, wurde am Hochkreuz am Lager von ehemaligen Inhaftierten, ihren Angehörigen, Vertretern aus Politik und Vereinen sowie Grundschülern aus Mühlberg insbesondere der Inhaftierten und der Toten des Speziallagers gedacht. In seiner Gedenkrede verwies Brandenburgs Staatskanzleichef Martin Gorholt auf die „doppelte Geschichte“ des Lagers Mühlberg. Diesem Umstand werde man in Neuburxdorf in besonderer Weise gerecht. „Die Initiativgruppe lenkt den Blick auf die Opfer beider Lager. Und dieser unverstellte Blick ermöglicht ein würdiges Gedenken“, sagte er. Leider werde heute immer wieder deutlich, wie  schwer es sei, dafür zu sorgen, dass Menschen Antworten auf ihre Sorgen und Ängste nicht in Fremdenfeindlichkeit oder Intoleranz suchen. Hier müsse man unermüdlich bleiben, um gegen Hass und für Mitmenschlichkeit einzustehen.

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