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Zuvor zum dritten Mal an Lymphdrüsenkrebs erkrankt

Schritt für Schritt zurück ins Leben

Starke Familie: Denise Ullrich mit ihrem Mann Jens und Sohn Julian im heimischen Wohnzimmer. FOTO: LR / Steffi Ludwig

Forst. Die Forsterin Denise Ullrich hatte nach der Stammzellspende ihres Sohnes mit schweren Rückschlägen zu kämpfen. Ein Jahr nach der großen Registrieraktion geht es ihr besser.

Schmal und blass sieht sie aus, gezeichnet von den gesundheitlichen Kämpfen der vergangenen Monate. Doch das Glück, dass sie jetzt hier in ihrem Wohnzimmer sitzen kann, mit Hund Bonnie auf dem Schoß, steht der ganzen Familie ins Gesicht geschrieben. Denn um den Jahreswechsel sah es sehr schlecht um Denise Ullrich aus. „Wir wussten nicht, ob wir sie wiederkriegen“, sagt Ehemann Jens. Denn die Forsterin war fünf lange Wochen ins Koma gefallen, ihre Organe arbeiteten nicht mehr. „Ich sage heute: Damals ist mein Licht ausgegangen“, berichtet die 41-Jährige.

Ende November hatte ihr Sohn Julian (15) ihr seine Stammzellen gespendet. Denn die große Registrieraktion am 10. September 2017, an der sich mehr als 1000 Menschen in Forst beteiligt hatten, hatte leider nicht den erhofften genetischen Zwilling hervorgebracht. Denn nur eine Stammzellspende von diesem hätte Denise Ullrich dauerhaft helfen können. Die unternehmungslustige Forsterin, die bei der Bundespolizei arbeitet, war zum dritten Mal an Lymphdrüsenkrebs, einer Form von Blutkrebs, erkrankt. Familie und Freunde hatten für sie die Registrieraktion organisiert, bei der laut Jens Ullrich auch die für Brandenburg sehr hohe Summe von 35 000 Euro an Spenden eingenommen wurden. „Diese helfen bei weiteren Registrieraktionen, und bestimmt war für andere Erkrankte ein Spender aus Forst dabei“, ist Denise Ullrich sicher.

Bei ihr war das leider nicht der Fall, weshalb die Ärzte ihr rieten, es mit den Stammzellen ihres Sohnes zu versuchen – mit einer  Chance von 50 Prozent, dass diese ihr Körper auch annimmt. Die Transplantation am 21. November im Universitätskrankenhaus Dresden lief gut. „Doch danach bekam ich ganz schlimme Nebenwirkungen“, erzählt Denise Ullrich. Zehn Kilogramm Wasserablagerungen ließen ihren Körper aufquellen. Sie kam auf die Intensivstation – und fiel dort ins Koma. „Ihr Immunsystem kämpfte gegen das von Julian“, erklärt Jens Ullrich, der inzwischen selbst zum halben Mediziner geworden ist – und sich einen beneidenswerten Humor und Optimismus behalten hat. „Aufgeben gibt es für uns nicht“, sagt er. Jeden zweiten Tag fuhr er zu seiner Frau nach Dresden, wachte an ihrem Bett, in dem sie laut träumte. „Ich war in New York, London oder Russland“, erinnert sich die 41-Jährige. Doch auf die Anzeige, dass Julians Stammzellen angenommen wurden, warteten sie auch Weihnachten oder Silvester vergeblich. „Geweint habe ich meist auf der Autobahn“, gesteht Jens Ullrich. Denn für seine Familie wollte er stark sein, und auch für seine 25 Mitarbeiter – denn schließlich leitet er die Forster Firma Metallbau Ullrich. „Glücklicherweise haben meine Eltern uns beim Wäschewaschen oder Essenkochen unterstützt“, sagt er.

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