Die musikalische Wärme der jüdischen Seele

Harry Timmermann und Nikos Tsiachris.FOTO: zar1

Guben. Im Rahmen der Sommerkonzerte der evangelischen Kirchen erklang am Samstag in der evangelischen Kirche in Groß Breesen Klezmer-Musik. Klarinettist Harry Timmermann präsentierte gemeinsam mit Nikos Tsiachris (Gitarre) fröhliche, melancholisch-versonnen und tragisch-expressive Melodien, die die Besucher vom ersten Ton an begeisterten.

Den Musikern war anzusehen, welche Leidenschaft und Freude sie in diesem Musikstil verkörpern. Harry Timmermanns Klarinette schien zu lachen, zu weinen und teilweise zu schluchzen. Genau das, was die Klezmer-Musik ausmacht. Fast übermütig quietschte manchmal sein Instrument. Doch auch Nikos Tsiachris hatte seine Gitarre fest im Griff. "Ich habe ihn auf einem Klezmer-Flamenco-Festival kennengelernt", erzählte Harry Timmermann. Und tatsächlich holte Tsiachris aus seiner Gitarre zwischendurch auch traurig-schöne und temperamentvoll-rassige Flamenco-Töne heraus.

Die Faszination war dem Publikum anzusehen. Einige wippten fröhlich mit, andere schlossen genüsslich ihre Augen, um die Musik voll einsaugen zu können. Klar, dass die beiden Musiker nicht erst am Ende vor den Zugaben mit Applaus belohnt wurden. Einmal mehr wurde die Wärme der jüdischen Seele mit Musik ausgedrückt. Die Lieder sind allesamt im Ostjudentum entstanden und von osteuropäischen und orientalischen Harmonien und Rhythmen beeinflusst.

Der Begriff "Klezmer" stammt aus dem Hebräischen und ist eine Kombination der Worte "kli" (Gerät) und "zemer" (Lied). Als musikalische Richtung ist "Klezmer" erst seit den 70er-Jahren bekannt, zuvor war der Musiker der Klezmer.

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