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Hoyerswerda

Neuzugang Carlo hat die Ruhe weg

Zoo-Leiter Eugène Bruins nimmt im Tropenhaus Kontakt mit Neuzugang Carlo auf und lockt mit Banane. Es klappt. Carlo frisst aus der Hand. Das Jungtier stammt aus dem Krefelder Zoo. Ab sofort ist Carlo also Sachse. FOTO: LR / Sascha Klein

Hoyerswerda. Der Zoo Hoyerswerda hat über Tage ein großes Geheimnis um seinen neuen Star im Tropenhaus gemacht. Jetzt ist klar: Es ist ein Faultier. Und das hat reichlich Zeit.

Dienstag, 9 Uhr, im Tropenhaus des Zoos Hoyerswerda. Ein Techniker greift beherzt zum Akku-Schrauber und löst zunächst einmal zehn Schrauben von einer Kiste. Zoo-Leiter Eugène ­Bruins­ schiebt diese Kiste an die richtige Stelle und lüftet vorsichtig den Deckel. „Der hat ganz schön Temperament“, hatte Bruins nur Minuten vorher gesagt. Also alle ein paar Schritte zurück, Bühne frei für einen neuen Hauptdarsteller im Tropenhaus. Bühne frei für... Moment mal: Carlo hat es nicht eilig. Carlo hängt an seiner Stange und guckt aus der Kiste. Alle anderen, Pressevertreter wie Zoo-Bedienstete, schauen hinein. Und es tut sich: nichts. Carlo wird gefilmt, Carlo wird fotografiert. Carlo bewegt sich ein paar Zentimeter. Aber er denkt nicht daran, aus der Transportkiste zu kommen. Es vergehen zehn Minuten, zwanzig, dreißig: Carlo hat die Ruhe weg. Damit erfüllt der Einjährige irgendwie auch seinen Zweck. Denn der Neuzugang aus Krefeld ist ein Faultier.

Was Carlo eigentlich machen sollte: Er sollte aus der Kiste klettern und sein neues Revier erkunden. Die Zoo-Verantwortlichen haben ihm einen Pfad gebaut, an dem er abhängen kann. Denn das machen Faultiere eben fast den gesamten Tag. Eugène Bruins ist nachsichtig: „Er hat vielleicht noch ein wenig Stress“, sagt der Zoo-Leiter. Wobei: Bis auf das markerschütternde Kreischen des Flammenkopf-Bartvogels ist es fast still im Tropenhaus. Trotzdem: Am Montag hat Carlo seine erste große Reise gemacht. Von Krefeld bis Hoyerswerda – das sind für ein Faultier schon einmal 660 Kilometer Autobahn-Fahrt quer durch Deutschland. „Ich musste viel telefonieren und viele Mails schreiben, um ihn zu bekommen“, sagt ­Bruins. Doch nun hat sich alle Mühe gelohnt. Carlo ist da. Am Dienstag hat er noch ein paar Stunden Zeit gehabt, um sein neues Zuhause zu erkunden. „Für mich ist das ein Traum, der in Erfüllung geht. Seit ich in Hoyerswerda bin, möchte ich ein Faultier“, sagt Zoo-Leiter Bruins.

9.45 Uhr: Das Faultier sitzt noch immer in der Kiste. Bruins greift zu einem probaten Lockmittel: Füttern. Carlo bekommt Banane. Die frisst er. Gurke und Salat verschmäht er noch. Der Zoo-Leiter kann seinen Neuzugang zum ersten Mal streicheln. Beim zweiten Mal zuckt das Faultier ruckartig. Also: Finger weg.

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