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Interview mit Marcel Braumann

Sorbische Jugend trifft sich jetzt in Kulturfabrik Hoyerswerda

Marcel Braumann ist Vorsitzender des Domowina-Regionalverbands „Handrij Zejler“ Hoyerswerda. FOTO: LR / Sascha Klein

Hoyerswerda. In der Kulturfabrik trifft sich jetzt der „Klub der jungen sorbischen Freigeister“.

Der „Klub der jungen sorbischen Freigeister“ – das klingt verschwörerisch. Wer trifft sich da ?

Braumann Die Gründungsmitglieder sind 17 bis 28 Jahre alt und kommen aus Crostwitz, Leipzig, Nebelschütz, Räckelwitz und Wittichenau, gehen zurzeit aufs sorbische Gymnasium in Bautzen, arbeiten in der Lausitz und studieren in Wien. Die Sache findet in maximaler Öffentlichkeit statt: Beim ersten Mal war der Chefredakteur der sorbischen Zeitung mit dabei, der sorbische Rundfunk, die MDR-TV-Sendung „Wuhladko“, und Karsten Held von der Kufa hat uns offiziell als dauerhaft festen Bestandteil des Hauses willkommen geheißen. Was mich besonders gefreut hat: Eine Mutter aus Hoyerswerda kam mit ihren Töchtern, die Sorbisch an der Grundschule hatten, damit sie mal wieder die Sprache hören. Sie hatte über Facebook von dem Termin erfahren.

Sorbisch ist zurück am Gründungsort der Domowina: Was will/soll der neue Klub besprechen?

Braumann Der Klub soll sorbische Jugend von den Dörfern nach Hoyerswerda ziehen – als besonders coole Alternative zu Bautzen und Dresden. Eine Teilnehmerin bekannte: Ich war noch nie in der Altstadt von Hoyerswerda und bin ganz begeistert, wie schön das hier ist. Wir haben ja als Domowina-Regionalverband sowieso den Ruf weg, besonders offen und freizügig zu sein. Man kann also bei uns auch über Themen wie Religion und Sexualität ohne Rücksicht darauf sprechen, was „die Leute“ im eigenen Dorf so denken. Das ist ein urbaner Standortvorteil. Beim ersten Mal ging es zum Beispiel neben vielen anderen Themen mit Blick auf das nahe Osterfest um die Frage, ob nicht Frauen auch endlich Osterreiterinnen sein dürfen oder ob das weiter den Jungs vorbehalten wird.

Wie oft wird sich der Klub treffen? Gibt es eine Tagesordnung? Worum könnte es demnächst gehen?

Braumann Die jungen Leute haben sich einmütig verständigt, dass dieser völlig offene Kreis, bei dem es keine Anwesenheitspflicht gibt und wo jederzeit auch neue Leute hinzustoßen können, nach dem Stammtisch-Prinzip funktioniert. Alles andere erscheint ihnen als künstlich, das respektiere ich. Da kann dann nach dem zweiten Bier plötzlich was spannend sein, auf was man im nüchternen Zustand nicht kommt. Ich denke, der Rhythmus könnte ungefähr sechswöchentlich sein, mal gucken. Die Hoyerswerdaer Freiheit hat gleich beim ersten Mal das Bautzener Regime herausgefordert: Das sorbische Internat wird eigentlich um elf Uhr abends verschlossen, was ich nicht wusste. Diese Zeit konnte diesmal nicht ganz eingehalten werden.

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