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Blick in die Geschichte

Als Luckau einen Regierenden hatte

Nach mehr als 100 Jahren bringen die frühere Museumsleiterin Helga Tucek und Kreisarchivar Thomas Mietk eine neue Stadtchronik heraus. FOTO: LR / Carmen Berg

Luckau. Eine neue Stadtchronik liefert zu Weihnachten spannenden Lesestoff.

Die letzte Stadtchronik ist mehr als 100 Jahre alt, sie stammt von 1904. Zeit also für ein neues zusammenfassendes Werk. „Von der Hauptstadt der Niederlausitz zur Gartenstadt der Moderne“ nennen LDS-Kreisarchivar Thomas Mietk und die langjährige Leiterin des Niederlausitz-Museums Helga Tucek die von ihnen herausgegebene Neuauflage, die noch vor Weihnachten auf den Markt kommen soll. Die Idee zum Buchprojekt sei im Vorjahr entstanden, angeregt durch die Chronik von Dahme-Spreewald, mit der der Landkreis in Brandenburg ein Vorreiter war, blickt Thomas Mietk zurück. Eine Arbeitsgruppe wurde gegründet, der neben den lokalen Initiatoren Dr. Kristina Hübener von der Brandenburgischen Historischen Kommission angehört. Wissenschaftler verschiedener Fachgebiete arbeiteten an den insgesamt neun Kapiteln mit. „Doch es soll kein Buch für Historikexperten werden, sondern lebendige Lektüre fürs breite Publikum“, verspricht der Kreisarchivar. Dazu wird in dem 350 Seiten starken Farbband eine reiche Auswahl an historischen Bildern beitragen, teils beigesteuert von Luckauern.

Die Zeitreise beginnt wie im Vorgängerwerk bei der Frühgeschichte, bei den ältesten Spuren in der Region, wobei Aufzeichnungen nicht einfach übernommen, sondern nach neuesten Erkenntnissen überarbeitet wurden, erklärt Helga Tucek. Sie selbst hat sich für ein Kapitel Luckaus Stadtoberhäupter in der sächsischen Zeit zwischen 1500 und 1815 vorgenommen. Sie berichtet über Details, die wohl manchen überraschen mögen. Einen Regierenden Bürgermeister, wie man ihn heute aus Berlin kennt, hat es im 16. Jahrhundert auch in Luckau gegeben, der aber jeweils nur ein Jahr an der Rathausspitze stand. Bei Amtsantritt wurden ihm die Schlüssel fürs Rathaus, für die Stadttore sowie das Stadtsiegel feierlich überreicht. Der Rat bestand aus zwölf Mitgliedern, angelehnt an die biblischen zwölf Apostel, sagt die ehemalige Museumsleiterin.

Thomas Mietk schreibt über die DDR-Zeit. Er  stützt sich auf Archive und Zeitungen, um das Leben in der Stadt anschaulich zu machen.  So hatte Luckau die erste Kaufhalle im Kreisgebiet. Der Schwimmbadbau wird sich wiederspiegeln. Interessant seien die Protokolle von Ratssitzungen. „Während es Anfang der 1950er Jahre noch kritisch zuging, finden sich später viele Phrasen, wie vorbildlich die Planerfüllung läuft. Eine offene Diskussion setzte erst wieder mit der Wende ein“, sagt er.

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