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Da ist Miriam, im Buch „das Ereignis der Sonnenallee“ genannt, die so schön ist, dass sie selbst die westdeutschen Abiturienten zum ehrfurchtsvollen  Raunen bringt, die ansonsten von einer Aussichtsplattform aus Hauptfigur Micha auslachen. Da ist Michas Vater, der mit eigentümlicher Logik die Nachbarn als Stasi-Mitarbeiter enttarnt: Die Kuppischs selbst seien weder bei der Stasi, noch hätten sie ein Telefon. Die Nachbarn wiederum besäßen ein Telefon und müssten demnach Stasi-Angehörige sein. Da ist Micha selbst, der Schulschönheit Miriam wahlweise anbeten oder für sie sterben will und beim Tanzkurs eine ebenso komplizierte wie fehlerfreie Methode entwickelt, um stets den letzten Tanz mit Miriam zu ergattern.

Thomas Brussig will mit seinem Roman „die DDR so erzählen, wie sie von vielen erinnert wird, und nicht, wie sie gewesen ist". Es handle sich um „schöne Erinnerungen an eine unschöne Zeit“. Er vermisse nichts aus der DDR, vielmehr habe er den Fall der Mauer „ausschließlich als etwas Schönes, Befreiendes und Erleichterndes wahrgenommen".

Mehr noch als Brussigs Sicht auf die DDR interessiert die Schülerinnen und Schüler das Leben als Autor. Wie sieht der Alltag eines Schriftsteller aus? Fließen persönliche Erlebnisse in Brussigs Romane ein, wie wichtig ist ein literarisches Vorbild und wie gehe er eigentlich mit Schreibblockaden um, sind Fragen der 150 Zehnt- und Elftklässler. Das Schöne an einem jugendlichen Publikum sei, sagt Thomas Brussig, dass es „oft eine wirkliche Neugier am Beruf des Autors hat. Ich sitze hier auch als Lebensmodell. Lesungen in Buchhandlungen sind viel ritualisierter.“

Organisiert und großteils finanziert hat die Lesung der Förderverein des Bohnstedt-Gymnasiums. Renate Nowotnick, Vorsitzende des Fördervereins und Deutschlehrerin am Gymnasium, behandelt den Roman von Thomas Brussig sowie den Film „Sonnenallee“ in der Regel in der zwölften Klasse. „Film und Buch kommen bei den Schülern immer gut an“, sagt sie. Die Worte von Thomas Brussig zu Beginn der Veranstaltung haben sich zumindest bei der Lesung nicht bestätigt. Das Lachen und der Applaus der Schüler gaben eher Renate Nowotnick Recht.

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