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Ein Beispiel: Spät an einem Freitagabend, noch zu DDR-Zeiten, kam Ronald Judis von einer Schulung nach Hause. Seine Frau saß auf gepackten Kisten – aber nicht, weil er so viel unterwegs war, sondern, weil es einen Schornsteinbrand gegeben hatte. Die Wohnung sollte renoviert werden und Familie Judis so lange umziehen. Allerdings von jetzt auf gleich, sprich: Samstag.

Ronald Judis erzählt nicht, was er in dem Moment gedacht hat. Man kann sich aber ohne Mühe vorstellen, dass er sich seinen einzigen freien Tag in der Woche anders vorgestellt hat als mit Kistenschleppen und Fahrzeuge beladen. Ganz anders. Noch heute, Jahrzehnte später, schaut er nach unten und räuspert sich kurz, ehe er berichtet, was dann geschah: Am Samstagmorgen reihten sich feuerrote Fahrzeuge die Straße entlang. Seine Kameraden aus der Berufsfeuerwehr stiegen aus, bereit zum Anpacken, damit Familie Judis sicher in ihr neues Zuhause kam. Fragen zu Kameradschaft, zur Zusammengehörigkeit waren damit geklärt.

Andere Fragen bleiben offen, vielleicht für immer. Warum lässt das Schicksal jemanden seine Familie verlieren? Wie können zwei sterben, während einer fast unversehrt bleibt? Nicht nur Ronald Judis dürfte dies nach einem der emotionalsten Einsätze der jüngsten Zeit noch lange umtreiben. Im Sommer 2017 geriet bei einem Unfall auf der A13 zwischen Staakow und Baruth ein Pkw unter einen Lkw. Durch die Wucht des Aufpralls wurde er quer darunter geschoben. „Die ersten Kräfte, die ankommen, machen sich ein Bild der Lage“, sagt Ronald Judis. „Dazu gehört auch zu schauen, wer am Leben ist.“ Drei Personen waren in dem Pkw, zwei davon starben bei dem Unfall. Der dritte Familienangehörige hatte überlebt und meldete sich. Er selbst konnte  zu diesem Zeitpunkt das Ausmaß der Tragödie nicht überblicken. Doch an den Kampf der Feuerwehrleute erinnert sich Judis ganz genau. Der Lkw ließ sich nicht bewegen. Keinen Millimeter. Keine Chance. Modernste Technik, und doch kam die Feuerwehr zunächst nicht weiter. Schwere Bergetechnik musste gerufen werden. Das kann dauern.

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