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LR vor Ort

Fontane-Erlebnis in Lübbenau

Schauspieler Michael Apelt mimte im vergangenen Jahr den bekannten Dichter, der im August 1859 auch einem Gottesdienst in der Lübbenauer Nikolaikirche beiwohnte. FOTO: LR / Angelika Brinkop

Lübbenau. Bei einem Rundgang mit anschließender Diskussion wird bei LR vor Ort beleuchtet, was Besucher der Stadt in diesem Jahr erwartet.

Es ist fast ein bisschen ungerecht: Einer der bekanntesten deutschen Romanschreiber hat sich bei seiner Reise in den Spreewald im August 1859 fast nur Zeit genommen für Lübbenau. Entsprechend wird in den vier Spreewald-Reisekapiteln für die berühmten „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ fast ausschließlich Lübbenau und Umgebung beschrieben. Fontane hat damit der Stadt und seinen heutigen Ortsteilen Lehde und Leipe ein literarisches Denkmal gesetzt.

Gerade in Lübbenau, wo sich Fontane nachweislich auch aufgehalten hat, bieten sich an seinem 200. Geburtstag Aktionen, Führungen und Ausstellungen gut an. So nimmt denn etwa die Spreewald-Christl Besucher mit auf einen zweistündigen Spaziergang durch die Altstadt – jeweils samstags um 10.30 Uhr am 22. Juni, 20. Juli, 17. August und
21. September. Bereits bei LR vor Ort aber, am Donnerstag 21. Februar, stellt die Stadtführerin die Strecke schon einmal vor und geht mit RUNDSCHAU-Lesern einen Abschnitt ab. Möglicherweise kommt dabei auch zur Sprache, dass Fontane einst in Lübbenau im Gasthaus zum Braunen Hirsch genächtigt hat, dort also, wo heute das Rathaus steht. Fontane sah sich auch das Lynarsche Schloss an, dass er mit Warwick-Castle verglich. Und er ließ sich im Kahn durch Lehde staken. „Bäuerliches Venedig“ nannte er es, „Lagunenstadt im Taschenformat“ und zeigte sich nachhaltig beeindruckt. Nicht Lieblicheres könne man sehen, „als dieses Inseldorf, das aus ebenso vielen Eilanden besteht, als es Häuser hat.“

Die Gelegenheit, Fontanes Eindrücken in Lehde am authentischen Ort zu begegnen, bieten sich von Ende März bis Ende Oktober im Freilandmuseum. Es wird eingeladen, Textfragmente und Zitate Theodor Fontanes im Kontext der Lebenswelt um 1900 zu erleben, heißt es im Programmheft für die Museen des Landkreises OSL. Näheres zu der Ausstellung sagen kann bei der LR-vor-Ort-Diskussion in der kommenden Woche im Anschluss an den Rundgang Museumsdirektor Stefan Heinz. Er öffnet für die RUNDSCHAU-Leser das Spreewaldmuseum im Torbogenhaus. Hier hindurch fuhr Fontane 1859 mit der Postkutsche in die Stadt hinein und einen Tag später wieder hinaus. Den „hochgewölbten Torweg eines Hauses, das nebenbei die Dienste eines Stadttors verrichtet“, nannte der Reiseschriftsteller, was heute das Spreewaldmuseum ist. Außer Stefan Heinz nimmt auch Daniel Schmidgunst von der Spreewald-Touristinformation im Museum an der Gesprächsrunde teil. Der stellvertretende Geschäftsführer wird sicher auch auf die anderen Fontane-Angebote in Lübbenau eingehen. So werden Kahnfährleute mit ihren Gäste die Route entlang staken, die auch Fontane genommen hat. Allerdings hatte damals ein Nachtwächter namens Birkig „das lange Ruder in der Hand“, wie Fontane schrieb, Reiseführer war der Kantor. Organisierte Kahnfährleute, die tausende Touristen die Fließe entlang staakten, gab es Mitte des 19. Jahrhunderts eben noch nicht.

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