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Trinkbranntwein „Kumpeltod“ für den Eierlikör

So sahen Etiketten mit dem Bergarbeiterschnaps aus, der als „Kumpeltod“ bekannt war. Foto: E. LungwitzFOTO: E. Lungwitz

Lübbenau. Jeder ehemalige Bergarbeiter kennt den Trinkbranntwein, der gern „Kumpeltod“ genannt und zu DDR-Zeiten als Deputat ausgegeben wurde. Auch der Lübbenauer Hans Schadow kann sich daran noch gut erinnern.

Er wurde 1924 geboren und arbeitete 40 Jahre im Bergbau. Er lernte von 1949 bis 1951 im BKW Finkenherd den Beruf des E-Lokfahrers. Im Jahr 1957 kam er als Maschineningenieur und Technologe nach Lübbenau. Arbeit fand er in den damaligen Tagebauen von Schlabendorf. Der Trinkbranntwein hatte eine lange Tradition. Den sogenannten Bergmannsschnaps oder Grubenschnaps, bekannt auch als "Kumpeltod" oder "Kartoffelsprit", bekamen die Bergleute, die vor Ort arbeiteten. "Jeder erhielt im Monat einen Liter Schnaps als Deputat kostenlos", erinnert sich Hans Schadow. Er erzählte: "Ich weiß genau, hier gab es einen Laden für die Bergleute. In diesem Geschäft gab es den Trinkbranntwein und auch Harzer Käse als Deputat. Der 30-prozentige Schnaps war nicht nur bei den Bergleuten sehr beliebt." Bei Tauschgeschäften machte der Schnaps die Runde. Er wurde veredelt gern genossen und beispielsweise zur Likörherstellung verwendet. Eierlikör oder Rumtopf wurde mit dem Deputat-Schnaps angesetzt.Der Lübbenauer Herbert Krautz machte eine andere Erfahrung mit dem beliebten Bergmannsschnaps. "Ich arbeitete seit 1946 als Hauer unter Tage im Revier bei Bad Muskau. Dort erhielten Bergleute keinen Schnaps als Deputat", erzählte er. Dagegen wehrten sie sich im Jahr 1949. "Bei der Sowjetkommandantur in Spremberg reichten die Kumpel eine Klage ein. Die Entscheidung fiel zugunsten der Bergleute, der damaligen Grube ,Vorwärts' aus", sagte er. Es sei sogar eine Nachlieferung für die Jahre 1947 und 1948 erfolgt. "So kam ich zu rund 50 Liter Trinkbranntwein", berichtete Herbert Krautz. Ablehnung und Unverständnis habe es bei den zahlreichen Bergleuten über die Verteilung der größeren Nachlieferung gegeben. Nach Einspruch bei der Kommandantur sei dieses Problem zur Zufriedenheit aller gelöst worden. Das beliebte "Tröpfchen" gab es jedoch nur bei Erfüllung der monatlichen Norm.Ein weiteres Deputat für die Bergleute waren Braunkohlenbriketts. Es gab im Jahr 100 Zentner kostenlos. Wer diese nicht brauchte, zum Beispiel als Bewohner der Lübbenauer Neustadt, bekam 80 DM im Jahr Vergütung. Evelyne Lungwitz

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