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Grüne: „Behörden betreiben Kuschelkurs mit Betreiber“

Wieder Ärger um Schweinemast Tornitz

Vetschau. Das Umweltministerium bestätigt verseuchtes Grundwasser. Grüne kritisieren Behörden.

Der Ärger um Brandenburgs größte Schweinemastanlage reißt nicht ab. Aktuell im Fokus steht das Grundwasser rund um den Betrieb im Vetschauer Ortsteil Tornitz (Oberspreewald-Lausitz). Das Landesumweltministerium bestätigt erneut, dass Grenzwerte überschritten wurden – bei Nitrat teils um das vier- bis fünffache, bei Ammonium zuletzt um das zwölffache. Der Grenzwert für Nitrit sei in der Vergangenheit auch teilweise überschritten worden. Im Umfeld der Anlage werden neun Messstellen zweimal jährlich beprobt. Im jüngsten Umweltausschuss erklärte das Ministerium in einer Stellungnahme, dass die erhöhte Konzentration auf den Eintrag von Gülle zurückzuführen ist. Zu diesem Ergebnis sei die Wasserbehörde des Landkreises gekommen. Allerdings sei der Zeitpunkt des Eintrages nicht zu ermitteln. Einträge aus jüngster Vergangenheit seien nicht festgestellt worden. Ermittelte „sehr hohe“ Sulfatgehalte sind aus Sicht des Landesumweltamtes nicht der Anlage zuzuordnen. Vielmehr sei durch den Grundwasserwiederanstieg freigesetztes Sulfat ausgewaschen worden. Betroffen sind die angrenzenden Luchwiesen, die seinerzeit durch den Tagebau Gräbendorf entwässert wurden, was zur Pyritverwitterung und in Folge davon zur Sulfatfreisetzung geführt hat.

Der Anlagenbetreiber, die Bolart GmbH, soll nun einen Sachverständigen bestellen, „der bei einer Begehung den Zustand der Anlage und gegebenenfalls erforderliche Maßnahmen“ feststellen soll.

Benjamin Raschke, umweltpolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, wirft den Behörden deshalb „einen Kuschelkurs mit der Industrie“ vor. Er fordert eine rasche und gründliche Aufklärung der Ursachen der Wasserverseuchung, unter anderem durch ein hydrologisches Gutachten. Die sei auch nötig, um den Verursacher rechtlich zur Verantwortung ziehen zu können. „Wenn der Betreiber jetzt einzig und allein eine Dichtheitsprüfung durch einen vom ihm bestellten Sachverständigen vorlegen muss, sind kaum ernsthafte Konsequenzen zu befürchten. Eine Verseuchung des Grundwassers aber muss Folgen haben, nach Auskunft des Ministeriums kann das von Auflagen bis zur Schließung der Anlage reichen“, sagt Raschke.

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