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Arbeitsverträge mit Zeitfenster

Gewerkschaft fordert bessere Azubi-Jobperspektiven

Senftenberg. Arbeitsplätze mit Verfallsdatum sind nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in der Nahrungs- und Genussmittelbranche besonders verbreitet, machen aber auch anderswo immer mehr Schule.

Ausbildungsvertrag? Im Landkreis Oberspreewald-Lausitz können sich derzeit rund 460 Neu-Azubis über eine Lehrstelle freuen, hat die Arbeitsagentur ermittelt. Damit die Karriere nach der Abschlussprüfung weitergeht, fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) bessere Job-Perspektiven für Berufseinsteiger. Eine große Hürde nach der Ausbildung sei jedoch der Trend zum Job auf Zeit. Solche Arbeitsplätze sind nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in der Nahrungs- und Genussmittelbranche besonders verbreitet. Hier sind bundesweit knapp 54 Prozent aller Übernahmen befristet, bei Neueinstellungen 73 Prozent. Das ist ein Spitzenplatz. Auch in Hotels und Gaststätten sind befristete Arbeitsverträge zum Berufsstart gang und gäbe, aktuell 35 Prozent.

Sebastian Riesner, Geschäftsführer der NGG-Region Berlin-Brandenburg, spricht von einer „Unternehmer-Unsitte“: Es könne nicht sein, dass Betriebe trotz Hochkonjunktur in vielen Branchen so stark auf Befristungen setzten. „Wer als Job-Starter eine Familie gründen oder Kredit für die Wohnungseinrichtung bekommen will, braucht einen sicheren Arbeitsplatz und keinen Zitter-Vertrag“, so Riesner. Dass Berufseinsteiger besonders betroffen sind, zeigt auch die amtliche Statistik. So waren in Brandenburg im vorigen Jahr 17 Prozent der 20- bis 30-Jährigen befristet beschäftigt – Azubis nicht mitgerechnet. Das geht aus dem aktuellen Mikrozensus hervor. Danach hatten insgesamt 83 000 Brandenburger lediglich einen befristeten Arbeitsvertrag – knapp jeder 13.

Auf Unternehmer, die darüber klagen, dass sie im Gastgewerbe oder in der Ernährungswirtschaft kaum noch Fachkräfte finden, reagiert Riesner mit Kopfschütteln: „Wer nach der Ausbildung nur einen Vertrag auf Zeit anbietet, muss sich nicht wundern.“ Spezialisten von morgen seien nur mit guten Löhnen, attraktiven Arbeitsbedingungen und klaren Karriereperspektiven zu gewinnen, so der Gewerkschafter. Befristungen sollten die Ausnahme sein. Zu den zwingenden Gründen einer Befristung gehörten etwa eine Probezeit oder Schwangerschaftsvertretung. „In den Betrieben haben wir es aber immer häufiger mit Befristungen nach dem 08-15-Prinzip zu tun“, betont Riesner.

(red/br)
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