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Ermittlung nach Horror-Crash

Brutal und rücksichtslos auf der B 169

Auf der Bundesstraße 169 zwischen Schwarzheide und Brieske soll seit Anfang des Jahres ein Schild mit der Aufschrift „Unfallstrecke“ warnen. FOTO: LR / Jan Augustin

Senftenberg. Auf der ausgebauten Umgehungsstraße zwischen Brieske und Schwarzheide kommt es immer wieder zu schweren Unfällen mit Todesfolge. Verkehrsexperten sind ratlos – und wütend.

Nach dem schweren Verkehrsunfall auf der Bundesstraße 169 zwischen Brieske und Schwarzheide am Montagnachmittag vor einer Woche ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung. Das hat Polizeisprecherin Ines Filohn bestätigt. Ein 44-jähriger Mann war mit seinem Fahrzeug in den Gegenverkehr geraten und mit einem entgegenkommenden Auto zusammengestoßen. Der im Wrack eingeklemmte 54-jährige Mann konnte noch befreit werden. Trotz intensiver Rettungsmaßnahmen erlag er aber wenig später seinen schweren Verletzungen. Der Unfallverursacher sowie sein Beifahrer wurden nach dem Horror-Crash schwer verletzt in Krankenhäuser gebracht. Warum der Wagen auf die Gegenspur fuhr, ist noch unklar. Ein Sachverständiger der Dekra sei jedoch nicht angefordert worden. Nun müssen die Unfallbeteiligten noch gehört werden. „Hier bedarf es noch einer gewissen Zeit“, sagt Ines Filohn.

Auf dem 1,6 Kilometer langen Abschnitt passieren seit dem Ausbau 2008 immer wieder schwere Unfälle. 2016 waren es fünf, bei denen zwei Menschen starben. 2017 krachte es sechs Mal heftig. Für 2018 stehen fünf schwere Unfälle zu Buche – mit einem Todesopfer. Anfang des Jahres ließ die für verkehrssichernde Maßnahmen verantwortliche Behörde des Oberspreewald-Lausitz-Kreises zwei Hinweisschilder „Unfallstrecke“ aufstellen. „Abgesehen von schwierigen Witterungsverhältnissen im Winter und Wildwechsel kann bisher keine Aussage zu einer Häufung möglicher Unfallursachen getroffen werden“, sagt Thomas Gogolin, Sachgebietsleiter Verkehrswesen. Sollte sich aus den aktuellen Ermittlungen ein anderer Kenntnisstand ergeben, werde geprüft, ob weitere Maßnahmen umgesetzt werden.

Zu den laufenden Ermittlungen darf der Vorsitzende der Kreis-Verkehrswacht, Hans-Joachim Dupski, nichts sagen. Die Strecke kennt er aber ganz genau. Als Leiter des Polizeireviers Elsterwerda fährt der Senftenberger den Weg täglich. Zu der Unfallhäufung auf diesem Abschnitt findet er klare und wütende Worte: „Das ist für mich eindeutig die brutale und rücksichtslose Fahrweise.“ Mit normalem Menschenverstand sei das nicht zu verstehen. Dupski beobachtet Autofahrer, die viel zu schnell unterwegs sind, nicht mehr blinken, die drängelnd den Sicherheitsabstand nicht einhalten und den Überholvorgang auf der dreispurigen Fahrbahn bis auf den letzten Meter und darüber hinaus ausreizen, bevor die Straße wieder zweispurig wird. Eine Erklärung für die aus seiner Sicht zunehmend aggressive Fahrweise hat er nicht. An der sehr gut ausgebauten Straße könne es nicht liegen. „Aus unserer Sicht ist da alles in Ordnung“, betont der Verkehrsexperte.

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