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Strukturwandel

Die kleine Lausitzer Revolution am Rotorblatt

Der Prototyp eines geschlossenen Rotorblatt-Wartungssystems - damit soll die Reparatur von Rotorblättern revolutioniert werden.FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau

Ruhland. Zwei Start-up-Unternehmen aus dem südbrandenburgischen Ruhland gehen bei der Reparatur von großen Windanlagen völlig neue Wege. Die guten Marktperspektiven haben einen polnischen Milliardär überzeugt, als Investor einzusteigen.

Gut zehn Jahre lang hat Ole Renner an Ideen getüftelt, die irgendwann Projekte und in die Praxis überführt wurden. Beim renommierten Entwicklungsdienstleister „Leichtbau-Zentrum Sachsen GmbH“ in Dresden war er Entwicklungsingenieur, Projekt- und Gruppenleiter. Der studierte Maschinenbauer (mit Vertiefung Leichtbau) hat Start-ups auf dem Weg in die unternehmerische Zukunft begleitet. Ole Renner gehörte auch zu den Experten, jungen Unternehmen im Leichtbaubereich die Fördertöpfe von Land, Bund und Europäischer Union zu öffnen.

Doch als sich der 37-jährige Vater dreier Kinder vor zwei Jahren entschied, den Job in der sächsischen Innovationsschmiede aufzugeben, um ein vielversprechendes Start-up-Unternehmen zu gründen, staunte er nicht schlecht. Die Fördermittelkasse aus dem EU-Programm „Europäischer Fonds für regionale Entwicklung“ (EPRE) war in Sachsen geschlossen. „Wir sind genau zwischen zwei Förderperioden geraten. Aber wir brauchten das Geld“, schildert Ole Renner, wie er und sein Geschäftspartner Holger Müller zu Fördermittel-Flüchtlingen wurden. Denn als sie sich kurzerhand entschieden, über die Landesgrenze ins brandenburgische Ruhland (Oberspreewald-Lausitz) zu gehen und hier ihre Geschäftsideen vortrugen, „da hat man uns den roten Teppich ausgerollt“. Eine Technologie-Firma mit viel Potenzial, das den Strukturwandel in der Lausitz befördern könnte – solche Start-ups sucht Brandenburgs Wirtschaftsförderung händeringend.

Renner und Müller kamen mit ihrer WP Systems GmbH nach Ruhland, um einen neuartigen „Fahrstuhl“ zur Reparatur von Rotorblättern von Windanlagen zu bauen. Das Patent dafür hatte Holger Müller in der Tasche. Er war bereits zehn Jahre lang jenem Lift auf der Spur, der in schwindelerregender Höhe ganzjährig, bei Wind und Wetter, die Reparatur von Rotorblättern ermöglichte. „Was bisher auf dem Gebiet abläuft, ist Urzeit-Technik“, sagt Ole Renner. Es dauere gut drei Stunden, bis die Gerätschaften aufgebaut und die Monteure am Rotorblatt seien. Bei Rissen müssten drei bis fünf Schichten des Faserverbundmaterial freigelegt werden. Es werde Schicht für Schicht geklebt, um letztlich mit einer Heizmatte auf dem Leck dafür zu sorgen, dass die Schichten aushärten. Wenn es zu windig werde oder Regen komme, müssen die Monteure runter vom Windrad. Ohnehin könne nur gut ein halbes Jahr am Rotorblatt gearbeitet werden.

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