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Rundschau-Serie Meine Heimat Oberspreewald-Lausitz

Die Heimat nie aus den Augen verloren

Am 5. Juni ist Augenoptikermeister Gisbert Schmidt (M.) der Diamantene Meisterbrief überreicht worden. Zu den ersten Gratulanten zählten HWK-Präsident Peter Dreißig (r.) und Staatssekretär Hendrik Fischer. FOTO: Uwe Hegewald

Lübbenau. „Heimat ist, wo wir unseren Lebensfaden festgemacht haben“, sagt ein Sprichwort. Die RUNDSCHAU besucht Menschen, um zu erfahren, wann, warum und wo sie ihren Lebensfaden im Kreis festgemacht haben. Heute: Gisbert Schmidt (Lübbenau).

Im Juni ist Gisbert Schmidt der „Diamantene Meisterbrief“ der Handwerkskammer Cottbus überreicht worden. Er war der einzige Augenoptikermeister in der Gilde der Jubilare, denen für meisterliches Engagement gedankt wurde, das vor 60 Jahren seinen Anfang nahm. „1959 war eines meiner intensivsten Jahre. Ich hatte mein Studium in Jena beendet, den Meisterabschluss gemacht, mein Augenoptikergeschäft in der Lübbenauer Altstadt eröffnet und meine erste Ehefrau Johanna geheiratet“, blickt er zurück.

Hingucker auf dem Hochzeitsfoto ist selbstverständlich die Braut und eine auffallend moderne Brille. Gar nicht typisch in einer Zeit, in der die DDR schon unter Mangelwirtschaft litt. Gisbert Schmidt erklärt: „In westdeutschen Fachzeitschriften hatte ich vergleichbare Modelle gesehen, eine davon auf Millimeterpapier übertragen und mich an die Arbeit gemacht. Als geeignetes Material zum Ausschmieden des Brillenrahmens diente die Messingkartusche einer Vierlings-Flak.“ Der noch aufbewahrte Brillenrahmen und die Zeichnung erinnern an die Tüftlerfähigkeiten, das meisterliche Geschick und die Gabe, sich irgendwie zu helfen wissen.

Nicht das erste Mal, wie den Ausführungen des Lübbenauers zu entnehmen ist. „Unsere Familie ist nach Kriegsende aus Reichenberg (heute Liberec) vertrieben worden. In Luckau entschloss sich Vater Paul für einen Neuanfang als Augenoptiker. Er hat bei weniger als Null angefangen“, zeigt sich Gisbert Schmidt noch heute beeindruckt. Bemerkenswert: Alle vier Söhne gingen bei Vater Paul in die Ausbildung, drei von ihnen zur Augenoptikerschmiede nach Jena. „Zweifellos eine Stadt mit Weltruf“, kommentiert Gisbert Schmidt, der beinahe in der Zeiss-Metropole hängengeblieben wäre.

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