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Theater

Nibelungen sorgen für Redebedarf

Senftenberg. Nach dem Spektakel wartet die Neue Bühne Senftenberg mit drei Premieren auf.

Das Spektakel des Jahres an der Neuen Bühne Senftenberg ist vorbei. Nach elf Vorstellungen ist der aus Blut, Mord und Rache im Europa der Nibelungen angesiedelte Spielzeitauftakt zu Ende gegangen. Es war das vierte Spektakel unter der Intendanz von Manuel Soubeyrand, mit dem das jetzt ins 72. Jahr gehende Senftenberger Haus in aufwendig ausgestatteten Theaternächten auf sich aufmerksam gemacht hat.

Mit drei unterschiedlichen Handschriften für die theatralische Umsetzung der Hebbelschen Variante der Nibelungensage haben die Regisseure Jan Mixsa, Sandrine Hutinet und Tilo Esche dem Publikum ein anspruchsvolles, aber dennoch  unterhaltsames Angebot unterbreitet. Ob es dabei in der Gesamtheit immer dem erwarteten Spektakel-Charakter gerecht geworden ist oder die ernsthafte Anregung zur inhaltlichen Auseinandersetzung überwog, wird jeder Zuschauer für sich entschieden haben.

Für Chefdramaturgin Katja Stoppa jedenfalls ist der politische Diskurs, in den sich Theater einbringt, unverzichtbar. „Wir wollen politisch Marken setzen.“ Die Zuschauer sollten selbst denken und daraus Schlussfolgerungen für ihr Handeln ziehen.  Im durchaus brachialen Nibelungen-Thema spielen die Warnung vor Kriegen, in denen letztlich alle untergehen, eine Rolle, wie auch die Frage, wie eine Gesellschaft entsteht und gelenkt werden kann oder wie falsche und unkritische Treue in die Katastrophe führen. So weist der historische Stoff geradewegs in die Gegenwart und gibt Anstoß zu Diskussionen über heutiges politisches Handeln. „Mir ist aufgefallen, dass in den Pausen rege zum Thema diskutiert worden ist“, sagt Katja Stoppa und berichtet auch von Mails, in denen ihr geschrieben wurde, es gäbe noch „Redebedarf“. Schon der Untertitel „Im Europa der Nibelungen“ regt angesichts der aktuellen politischen Situation zur Debatte an, wie Europa mit- statt gegeneinander  Zukunft leben will. Ob es nötig oder überhaupt möglich ist, sich mit dem Publikum zum Stück auszutauschen und welche Form dafür geeignet sein könnte, wird in der Neuen Bühne  bei der Auswertung des diesjährigen Spektakels noch zu besprechen sein.

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