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Weißrussischer Botschafter zu Gast in Lausitzer Firma

Eisenhütte sucht neue Kunden im Osten

Brandenburgs Bevollmächtigter  beim  Bund  und  für  internationale  Beziehungen, Staatssekretär Thomas Kralinski (2.v.l.), besucht gemeinsam mit dem Botschafter von Belarus, S. E. Denis Sidorenko (r.), die Ortrander Eisenhütte. Vertriebsleiter Jens Muschter (l.) führt durchs Werk. FOTO: Mirko Sattler

Ortrand. Der Eisenguss aus Ortrand wird weltweit immer beliebter. In Osteuropa sieht das Lausitzer Traditionsunternehmen aber noch viel Potenzial. Jetzt hat der weißrussische Botschafter Denis Sidorenko die Firma besucht.

Das Logo kommt unspektakulär daher: OE. Die beiden Buchstaben stehen für Ortrander Eisenhütte. Unscheinbar eingeprägt ist das zentimetergroße Zeichen etwa auf Kaminöfen. Auch viele Autos mit Verbrennungsmotoren fahren mit dem in Ortrand gegossenen Eisen. Oder Regenentwässerungssysteme – auch das ist ein wichtiges Geschäftsfeld des Ortrander Unternehmens. Jens Muschter nennt es Infrastrukturguss. Der Vertriebsleiter ist seit 31 Jahren im Unternehmen, kennt die Firma wie kaum ein anderer. Fast schon zurückhaltend, so wie das Logo, schätzt er die aktuelle Situation der Eisenhütte ein. „Die wirtschaftliche Lage hat Anlass gegeben, neue Leute zu integrieren“, sagt der 54-Jährige.

Dabei ist die Entwicklung seit den 1990er-Jahren erstaunlich. 115 Mitarbeiter waren 1993 beschäftigt. Heute sind es gut 330. Auch die Umsatzzahlen sind alles andere als bescheiden. Seit 15 Jahren steigen sie Jahr für Jahr an, auf heute rund 50 Millionen Euro. Das bestätigt Geschäftsführer Bernd H. Williams-Boock. Kunden gebe es weltweit – sogar in Brasilien und Japan werde die Ortrander Qualität geschätzt. Doch der Hauptmarkt ist Europa. Mehr als 90 Prozent aller Aufträge kommen von hier. Nur ganz im Osten hat die Eisenhütte noch nicht wie gewünscht den Fuß in der Tür.

Zwar gibt es schon Kunden in Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn, bestätigt Williams-Boock. Noch weiter Richtung Osten sieht es aber rar aus. Aber auch da gehe es voran. In Moskau und St. Petersburg kauft zumindest ein Kunde Kaminöfen, die als Designobjekte in neue Wohnkonzepte integriert werden. Die Ortrander Eisenhütte will hier stärker werden. Das Unternehmen hat jetzt eine russische Muttersprachlerin eingestellt, um Beziehungen aufbauen zu können. In der Vorwoche hat der weißrussische Botschafter Denis Sidorenko die Firma besucht. Konkrete Geschäfte hatte der Diplomat zwar nicht mit im Gepäck. „Es ist aber hilfreich, wenn man ein Sprachrohr hat. Sie müssen einen Türöffner haben“, erläutert Vertriebsleiter Jens Muschter. Dass sich der Aufbau von Geschäftsbeziehungen in Osteuropa langwierig und manchmal erfolglos gestalten kann, weiß Muschter nur zu gut. Vor fünf Jahren bahnte sich ein lukratives Geschäft in der Ukraine an. Für die dortigen Eisenbahnwaggons hätte die Eisenhütte die passenden Achslagergehäuse liefern können. Jens Muschter war mehrfach vor Ort, ist nach Kiew und Donezk geflogen und hat das Produktmuster vorgestellt. Doch dann begann der Krieg. „Das Geschäft war nicht zustande gekommen, leider“, erinnert sich der Prokurist.

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