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Vor Ort in Spremberg

Die nassen Folgen des Tagebaus

René Nakoinz, der Cantdorfer Ortsvorsteher, erklärt Michael Gäbel, Ulrich Fehlig, Marion Schulze-Hanisch über einer Karte seine Befürchtungen zum Grundwasserwiederanstieg. FOTO: Annett Igel-Allzeit / LR

Spremberg. RUNDSCHAU-Redakteure diskutieren mit Experten und Sprembergern übers Grundwasser.

Die vergangenen Hochwasser bewirkten, dass  die Cantdorfer um den Ortsteilstatus gekämpft und einen regen Ortsbeirat gewählt haben. Ortsvorsteher René Nakoinz möchte auch für den Grundwasserwiederanstieg nach dem Tagebau gewappnet sein. Zur jüngsten Gewässerschau stand er mit den Verantwortlichen des Gewässerverbandes Spree-Neiße und der Unteren Wasserbehörde vor einer Wiese: „Wenn das Grundwasser wieder ansteigt, wird hier das Wasser sprudeln und eine Art Brunnen entstehen.“ Er will deshalb präventiv auch dort einen Graben. Doch die Experten vom Gewässerverband und der Unteren Wasserbehörde Spree-Neiße schütteln den Kopf. „Wenn auf der Wiese jetzt noch kein Wasser steht, wie wollen Sie den Graben begründen?“, fragt Marion Schulze-Hanisch von der Unteren Wasserbehörde den Cantdorfer.

An der Begründung wird gearbeitet. Wie Uwe Steinhuber, Pressesprecher der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV), bestätigt, haben sich die Bundesregierung und die Bundesländer, in denen Bergbau betrieben wird, verständigt, dass sie den Betroffenen bei der Bewältigung der Probleme mit dem tagebaubedingten Grundwasserwiederanstieg helfen. Zwar sei die Verantwortlichkeit nicht endgültig geklärt, aber Bund und Land wollen sich die Kosten für die Gefahrenabwehr zu je 50 Prozent teilen. „Wir als LMBV sind beauftragt, Lösungen zur Gefahrenabwehr zu finden“, sagt Steinhuber. Und tatsächlich gibt es nicht nur Studien wie die von Kathy Sommer zu den Auswirkungen des Grundwasseranstiegs für Lauchhammer aus dem Jahr 2012, sondern auch Schutzbauwerke.  Der Südgraben Altdöbern ist seit 11. April in Betrieb. Nach dem Ende des Tagebaus Greifenhain 1994 begann 1998 die Flutung des Altdöberner Sees. „Schrittweise“, so Steinhuber, „steigt das Grundwasser an.“

Doch für den Spremberger Raum könnten sich mit den Revierveränderungen durch den Bergbaubetreibers Leag 2017 die Grundwasserwiederanstiegs-Prognosen verändern. Es wird neu gerechnet. Denn es geht auch um Sprembergs Trinkwasservorrat und die Sulfatfahne. 2016 waren laut Bernd Schmied, Verbandsvorsteher des Spremberger Wasser- und Abwasserzweckverbandes (SWAZ), zwei Szenarien denkbar: Wird der Tagebau Nochten I geflutet, fließt das Grundwasser auf seinem natürlichen Weg samt Sulfatfahne zum tiefsten Punkt – zur Spree. Schreitet andererseits der Tagebau Nochten II voran, so die Annahmen 2016, wird Sprembergs Trinkwasservorrat, der sich ständig neu bilden muss, zu klein, weil das Grundwasser dann wieder von den Tagebaurandriegeln angezogen würde. Überlegt wurde, die 2011 gebaute Brauchwassertrasse von der Bloischdorfer Rinne zum Industriepark Schwarze Pumpe zur neuen Quelle fürs Spremberger Trinkwasser zu entwickeln. Ein teures Vorhaben, dessen Kosten sich der damalige Bergbaubetreiber Vattenfall, der Wirtschaftsförderer ASG und der SWAZ teilen wollten.

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