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Glosse aus dem Kino

Der Einfall nach dem Ausfall

Annett Igel-Allzeit FOTO: LR / Sebastian Schubert

Spremberg. Wie lange war sie nicht mehr im Kino? Seit dem Film über Familie Mann? Mich plagte das schlechte Gewissen. Gegen den Ausfall des Analog-Fernsehens hatte ich ihr nicht so schnell helfen können, wie erhofft.

Sie verpasst ihre Lieblingsserien. Hat den Enkel für den obligatorischen Enkel-Abend ausgeladen. Was soll der Junge hier, wenn er nicht fernsehen kann. „Mensch ärgere dich nicht“ mit ihr spielen? Sie kicherte. Sie ging 18.30 Uhr zu Bett. Also lud ich sie per App vorm nächsten Abend ein. Ins Kino. Der Film würde ihr gefallen, ich hatte ihn schon ein Wochenende zuvor gesehen. Sie antwortete sofort: Sie müsse sich nur flink umziehen. Eine halbe Stunde später versank sie im Kino-Sessel. Sie hatte den Popcorn-Geruch gelobt, aber keins gewollt. Nicht mal ’ne Cola. Aber sie hat die Eis-Werbung kommentiert. Sich sofort im Film wohlgefühlt, laut mit gelacht, auch geschluchzt und – wie früher – ein Taschentuch für mich dabei gehabt. 19.30 Uhr war sie wieder daheim. Sie hatte genug Bilder im Kopf, über die sie nachdenken konnte, bis sie einschlief. Ein Freund hat die Abschaltung des Analog-Fernsehens als „kalte Enteignung“ bezeichnet. Recht hat er angesichts der vielen Röhrenfernseher am Straßenrand. Aber warm ums Herz wird mir trotzdem werden, wenn ich später ans Ende des Analog-Fernsehens denke.

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