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Weißwasser

Jugendliche rennen dem Elend davon

Die Run-and-Gone-Protagonisten um Reno Werner (M.) sind ein eingeschweißtes Team.FOTO: Reno Werner

Weißwasser. Diesen Sonnabend wollen mehrere Jugendliche von Weißwasser nach Klitten einen guten Halbmarathon bestreiten. Ihre Laufmotivation soll für neuen Lebensmut sorgen.

„Um es vorwegzunehmen: Wir werden definitiv keinen Bestzeiten hinterher jagen“, stellt Reno Werner klar. Der Blick auf die Uhr sei während der dritten Auflage des „Run-and-Gone“-Laufes absolute Nebensache. Stattdessen gehe es um das Durchhalten. Um das Weglaufen vom Elend. Denn Reno Werner wird sich nicht mit Profi- oder Freizeitsportlern auf die Distanz begeben, sondern mit Jugendlichen aus schwierigen und schwierigsten sozialen Verhältnissen. Diese leben unweit von Klitten in einer Jugendhilfeeinrichtung, tief im Wald versteckt. „Die Leute kommen vor allem aus dem Ruhrgebiet“, erzählt Werner. Derzeit wohnen dort neun Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren. Die Distanz zur alten Heimat ist gewollt. „Damit stellen wir den nötigen Abstand zu den schrecklichen Erlebnissen aus der Vergangenheit her“, erklärt Reno Werner, der in Bad Muskau lebt.

Auch seine zwei Sportler, die am Sonnabend auf die Piste gehen wollen, stammen aus komplizierten Verhältnissen. Mehr will Reno Werner dazu nicht sagen. Zum einen handele es sich um einen 19-Jährigen, der bereits zum dritten Mal am „Run-and-Gone“ teilnimmt. Ob sein Kollege auch tatsächlich starten wird, entscheide sich erst kurz vor dem Lauf. „Die Jugendlichen sehen jetzt ihren Lebensmittelpunkt in der Lausitz. Zurück in die alte Heimat wollen sie nicht“, sagt Werner.

Der gelernte Koch und jetzt angehende Erzieher weiß, wovon er spricht. „Meine Jugend und die anschließenden Jahre im Erwachsenenalter waren geprägt von Alkohol und Drogen. Ich war ganz unten, und bis zum Tod hat nicht mehr viel gefehlt“, blickt der heute 35-Jährige zurück. „Ich hatte so viele Abstürze und Kontrollverluste. Hauptsache, meine Birne war zu.“ In den Jahren 2011/2012 begannt Reno Werner mit einer Langzeittherapie im Erzgebirge, ging dann nach Leipzig, um dort seinen Schulabschluss nachzuholen. Jetzt hat er sich entschieden, jungen Leuten mit ähnlichen Karrieren zu helfen. Deshalb die Umschulung. „Es gibt zwar viele studierte Soziologen, die wirklich einen guten Job machen. Aber es braucht auch Leute wie mich, die die Hölle am eigenen Körper erlebt haben.“

(trt)
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