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Wort zum Sonntag

Nachurlaub

Im klaren Wasser schwimmen, über grüne Wiesen gehen, im Wald innehalten und auf das Rauschen der Bäume hören – viele von uns waren schon im Urlaub. Wie schön, wenn der alltägliche Druck von einem abfällt und uns das Herz für die Schönheiten der Natur aufgeht.

Jedes Jahr frage ich mich, warum gelingt es so schlecht, die Ruhe des Urlaubs mit in den Alltag hinüberzunehmen? Wir wissen ja, es hat etwas mit Entschleunigung zu tun. Alle gute Planung beginnt damit, Freizeit und Arbeit zu unterscheiden. Wir kommt es aber, wenn auch in der freien Zeit der innere Frieden sich nicht einstellen will? Wie kann man dem Druck des Alltags etwas entgegensetzen?

In diesem Jahr habe ich wieder neu entdeckt, wie gut es tut, gute Texte langsam zu lesen. Die Verlangsamung unseres Sprachflusses öffnet unsere Seele für neue Eindrücke und überraschende Einsichten. Du verabredest mit dir selbst, nur eine Seite schaffen zu wollen, oft innezuhalten, um den gelesenen Inhalten nachzusinnen, und dabei hin und wieder in das Grün der Bäume zu schauen – es ist erstaunlich, wie einfach wir zur Ruhe finden können. Die Geschwindigkeit, mit der wir ein Wort an das andere reihen, wirkt sich auf unser ganzes Befinden aus. Als Christ lese ich natürlich in der Bibel. Aber auch für sie gilt: Erst in der Langsamkeit der Betrachtung werden wir von dem Frieden berührt, den wir nicht selbst bewirken.

Jeden Tag einen kleinen Abschnitt eines Gedichts, eines Psalms oder eines schönen Romans langsam lesen – probieren Sie es einmal, es ist ein Bollwerk gegen Unruhe und Druck. Am nächsten Tag freuen wir uns schon auf die Fortsetzung. So nehmen wir ein Stück Urlaub in den Alltag. So rufen wir den Frieden, der höher ist als unsere Vernunft, in unseren Alltag.

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