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Weißwasser

Über 90 Jahre lang einen grünen Daumen

Erst kürzlich führte Astrid Roscher von der Siftung Fürst-Pückler-Park rund 45 Interessenten durch die ehemalige gräfliche Gärtnerei. Liesbeth Buder sagt, dass ihr der Weg dorthin inzwischen zu beschwerlich sei. FOTO: Torsten Richter-Zippack

Weißwasser/Bad Muskau. Liesbeth Buder (93) war der erste weibliche Gärtnerlehrling in der gräflichen Gärtnerei im Muskauer Park. Sie erinnert sich gern daran.

Am 30. September jährt sich für Liesbeth Buder aus Weißwasser ein ganz besonderes Ereignis. Dann werden genau 75 Jahre ins Land gegangen sein, als die heute 93-Jährige ihre Lehre als Gärtnerin in der gräflichen Parkgärtnerei in Muskau mit Bravour abgeschlossen hatte. Viele Jahrzehnte später kann sich die gebürtige Lugknitzerin noch immer ganz genau an ihre zweijährige Lehrzeit erinnern. Sie bezeichnet diese als „einen der schönsten Abschnitte meines Lebens“.

Vorausgegangen war der Ausbildung ein Jahr als Landmädchen. „Damals habe ich bei meinen Eltern in ihrer kleinen Landwirtschaft in Lugknitz geholfen“, erinnert sich Liesbeth Buder. Ihr Vater habe seine Tochter dann in der gräflichen Gärtnerei vorgestellt. „Und es dauerte nicht lange, da kam ein Angebot für eine Gärtnerlehre“, erinnert sich Buder. Sie war, so erinnert sich die 93-Jährige, damals das erste Mädel in diesem Betrieb östlich der Neiße. Insgesamt erlernten dort sechs junge Leute das Gärtnerhandwerk. Als Ausbilder fungierte Paul Jaquemin, der gleichzeitig als Inspektor tätig war. Zur Berufsschule musste Liesbeth Buder nach Görlitz reisen. „Das war schon komisch. Wir waren damals 22 Jungs und ich als einziges Mädchen. Aber wir haben uns gut verstanden.“

Die gräfliche Gärtnerei gleich neben der Von-Arnimschen-Baumschule bestand aus zahlreichen Gewächshäusern. Dank der Kesselheizungen auf Kohlebasis gab es im Inneren stets gleichmäßig hohe Temperaturen. „Angebaut wurde fast alles“, sagt Liesbeth Buder. Das Repertoire reichte von Schnittblumen bis zu diversen Gemüsesorten. Zudem dienten manche Gewächshäuser als Asyl für Raritäten aus dem Botanischen Garten in Berlin. Wegen der Bombenangriffe auf die Reichshauptstadt wurden die Pflanzen mittels beheizter Lastkraftwagen ins vermeintlich sichere Muskau transportiert. Herzstück dieser Siedlung aus Glas bildete damals das Palmenhaus.

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