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Heftige Kritik am Ressort von Minister Vogelsänger

Brandenburgs Landnutzer schlagen Alarm

Es könnte so schön sein – wenn sich doch nur Politik und Verwaltungen mal abstimmen würden. Und auch innerhalb der Verwaltungen sagt der eine so und der andere so – beklagt der Chef des Anglerverbandes, ein früherer Politiker. FOTO: dpa / Jens Wolf

Potsdam. Von Bauern über Jäger bis zu Anglern – alle sind über das Agrarministerium erbost. Verwaltungen entwickeln ihr Eigenleben.

Brandenburgs Landnutzerverbände sind sauer. Ein Jahr vor den Landtagswahlen machten die Mitgliedsorganisationen des „Forum Natur“, darunter der Landesbauernverband, der Waldbesitzerverband, der Landesanglerverband, der Landesjagdverband und der Verband der Familienbetriebe Land & Forst in Brandenburg, am Montag mit einer Pressekonferenz in Potsdam auf schwere Probleme in der Landwirtschafts- und Naturschutzverwaltung aufmerksam. „Die ersten vier Jahre dieser Legislaturperiode waren eher bescheiden“, sagte der Geschäftsführer des Forum Natur, Gregor Beyer. „Es sind noch einige Dinge zu erledigen, die dringend abgearbeitet werden müssen.“

In einer sechs Punkte umfassenden Forderungsliste sprachen sich die Verbände beispielsweise für eine Befassung des Umweltausschusses mit den FFH-Managementplänen, für eine schnelle Umsetzung des Maßnahmenpakets zur Dürrehilfe, eine Novelle des Jagdgesetzes und eine Umsetzung der Wassergesetznovelle aus. Vor allem aber mahnten sie eine bessere Kommunikation zwischen der Verwaltung und den Betroffenen an. „Der Frust geht bis zur Augenhöhe“, sagte Dirk-Henner Wellershoff, der Präsident des Landesjagdverbands. Zwischen dem zuständigen Ministerium und den Jägern gebe es einen „Entfremdungsprozess, wir werden mit keinem Thema gehört“. Ein Beispiel sei etwas ganz banales: die Erarbeitung einer neuen Gebührenordnung für die Jägerprüfung, die der Verband im Auftrag des Staates durchführt. „Die Gebühren sind seit zehn Jahren unverändert, wir arbeiten defizitär“, sagte Wellershoff. „Seit 18 Monaten versuchen wir nun, mit dem Ministerium eine neue Gebührenordnung hinzubekommen und bekommen das nicht umgesetzt.“ Die oberste Jagdbehörde sei geschlossen worden, das Thema einem gemeinsamen Referat für Jagd und Forst im Ministerium zugeordnet. Und einen Jagdreferenten gebe es derzeit ebenfalls nicht. „Damit wurde die Jagd getötet.“

Martin Hasselbach vom Waldbesitzerverband verwies auf Probleme mit den FFH-Managementplänen. Darin wird Waldbesitzern in FFH-Schutzgebieten vorgeschrieben, welche Baumarten sie anzupflanzen haben. Ein Beispiel sei ein aus Eichen und Buchen bestehender Wald im Norden Brandenburgs. Die Eiche sei von Menschen dort künstlich angepflanzt worden. „Die Buche wächst viel schneller und dunkelt die Eichen aus“, sagt Hasselbach. Doch über den Managementplan werde dem Waldbesitzer vorgeschrieben, den Eichenbestand zu erhalten – „bis zum Sankt Nimmerleins-Tag“. Die Natur entwickle sich weiter, der Managementplan dagegen bleibe statisch. „Und Waldbesitzer, die davon betroffen sind, werden nicht ausreichend oder nur per Zufall informiert“, sagte Hasselbach.

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