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Wallfahrtshochamt

Die Mönche sind nach Neuzelle zurückgekommen

Mit einem Wallfahrtshochamt wurde in der Stiftskirche des Klosters von Neuzelle die Prioratsgründung vollzogen. Sechs Zisterzienser-Mönche werden jetzt hier klösterliches Leben wieder aufbauen. FOTO: dpa / Patrick Pleul

Neuzelle. Sechs Zisterzienser gründen ein Priorat in Brandenburgs Osten.

Vor drei Jahren hatte der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt die Mönche aus dem österreichischen Kloster Heiligenkreuz eingeladen, wieder nach Brandenburg zu kommen. Ein Jahr lang hatten vier Mönche ausprobiert, ob es sich auf dem alten Stiftsgelände leben ließ. Einem der Brüder war der Trubel zu viel, er reiste wieder ab – doch vor einigen Tagen sandte das österreichische Zisterzienserkloster sechs Brüder offiziell nach Ostbrandenburg. Dorthin, wo seit 200 Jahren, seit der Säkularisierung, als die Niederlausitz zu Preußen kam, keine Mönche mehr lebten.

Vor dem Altar der barocken Klosterkirche, bat der Abt des österreichischen Zisterzienserklosters Heiligenkreuz, Maximilian Heim, den Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt offiziell um die kirchenrechtlich erforderliche Zustimmung zur Gründung eines Tochterklosters im Lausitzbistum. „Ich stimme zu und erlaube, dass in meinem Bistum Görlitz ein von der Zisterzienserabtei Heiligenkreuz in Österreich abhängiges Priorat kanonisch errichtet wird“, sagte Ipolt daraufhin. Anschließend befragte Heim alle sechs zur Gründung des neuen Klosters vorgesehenen Mönche, ob sie bereit seien, das Klosterleben in Neuzelle wieder aufzunehmen. Und im Chor antworteten alle: „Ich bin bereit“, bevor der Abt eine Urkunde über die Klostergründung vor der versammelten Menge hochhielt. Damit ist das Zisterzienserkloster in Neuzelle nun offiziell gegründet. Allerdings werden die sechs Gründermönche nicht – wie lange geplant – in das alte Kanzleigebäude der barocken Anlage ziehen: Am Montag wurde bekannt, dass stattdessen ein Neubau in der unmittelbaren Umgebung Neuzelles geplant sei. Denn der stete Touristenstrom auf dem alten Klostergelände vertrug sich nicht mit dem Leben der Mönche im stillen Gebet. Das Kloster indes soll trotzdem eine „offene Oase“ werden, die „die Menschen anzieht“, wünschte sich Abt Maximilian. Die Mönche sollten sich nicht abschotten, sondern zu einem Anlaufpunkt für die ganze Region werden. Und auf Anfrage erklärte er, er könne sich auch vorstellen, dass Theologen von der zu seinem Kloster gehörenden Hochschule in Heiligenkreuz künftig an dem in Gründung befindlichen Institut für katholische Theologie an der Berliner Humboldt-Universität unterrichten, und dazu in Neuzelle wohnen.

Ähnlich formulierte es auch der Bischof von Görlitz, Wolfgang Ipolt. Er habe den Eindruck, dass „es sich der normale Bürger in Sachsen und Brandenburg abgewöhnt hat“, nach Gott zu fragen, sagte er in seiner Wallfahrtspredigt. Wer Gott suchen wolle, brauche dafür Zeit und Stille. „Die Mönche, die sich jetzt hier wieder ansiedeln, machen uns das vor“, sagte Ipolt. „Sie haben Zeit für Gott - sie loben ihn mit ihrem Gesang im Stundengebet, sie hören auf sein Wort in der Stille und lassen sich von ihm formen.“ Die sechs nun in Neuzelle lebenden Mönche sollten mit ihrem klösterlichen Leben beispielhaft zeigen, „dass sich die Suche nach Gott lohnt, dass sie einen Menschen glücklich machen und erfüllen kann.“ Sie sollten „frohe Gefährten für die Menschen, die hierher nach Neuzelle kommen und nach Antworten für ihr Leben suchen“ sein.

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