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Claus Graf von Stauffenberg – vom Verräter zum Helden

Im Hof des Bendlerblocks in Berlin haben Repräsentanten des Bundesrats und der Bundeswehr im Juli des 63. Jahrestages des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler gedacht.Claus Schenk Graf von StauffenbergFOTO: dpa

Zum 100. Geburtstag von Claus von Stauffenberg, der Lichtgestalt des militärischen Widerstands, wird heute in Berlin die Bundeswehr aufmarschieren. Dienstagabend in Potsdam sprachen ein früherer General und heutiger Innenminister sowie ein Ex-Minister der DDR und Filmemacher über den Mann, der jetzt auch Hollywood beschäftigt und doch viele Jahre der Nachkriegsgeschichte im geteilten Deutschland eine Unperson war.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung hatte Jörg Schönbohm und Hans Bentzien ins Potsdamer Filmmuseum eingeladen. Sie sollten etwas erzählen darüber, wie sich das Bild von jenem schwäbischen Adeligen gewandelt hatte, der wie seine Offiziersfreunde glaubte, vor seinem Gewissen nicht länger die Fortsetzung der NS-Diktatur und des Krieges rechtfertigen zu können und Hitler zu töten versuchte. Stauffenberg war, wie seine Kameraden des 20. Juli 1944, lange eine überaus umstrittene Figur in den Reihen der Bundeswehr, erzählte Schönbohm. In den 60er-Jahren, zu Beginn seiner eigenen Offizierskarriere, habe er Vorgesetzte erlebt, die den schwäbischen Adeligen immer noch für einen Verräter hielten. Der Streit habe die junge Armee der Bundesrepublik "bis ins Mark hinein" erschüttert. Diese Verachtung für den Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur sei aus seiner heutigen Sicht die Rechtfertigung einer "Generation von Mitläufern" gewesen. Es habe in der NS-Zeit eine Komplizenschaft zwischen Volk und Führung gegeben. Stauffenberg sei wie die meisten seiner Freunde zunächst ja auch ein Anhänger Hitlers gewesen. Und er habe um seine Mitverantwortung gewusst für deren Aufstieg.
Hans Bentzien, der in der DDR in Ungnade gefallene Kulturschaffende, begann nach seiner Absetzung als Minister eine vorsichtige Annäherung an die preußische Geschichte. Mit einer erstaunlichen Beharrlichkeit hat er es dann erreicht, allmählich durch Fernsehsendungen auch im kommunistischen Deutschland Interesse zu wecken für die Wehrmachtsoffiziere des Widerstandes. Zunächst sei Stauffenberg in der frühen DDR ja im Gegensatz zum damaligen Westen sogar geehrt worden. „In Leipzig hat einmal eine Straße seinen Namen getragen“ , erinnert sich Bentzien. Dann, mit der Gründung der NVA, wurden plötzlich auch in der DDR Soldaten sus pekt, die sich in letzter Konsequenz nur ihrem Gewissen verpflichtet fühlten. „Es war dann auch hier nicht mehr angebracht, wenn einer Befehlen nicht gehorchte und seinen Eid brach“ , sagt Bentzien. Viele Jahre wurde dann davon geredet, dass diese angeblich einer reaktionären Kaste angehörenden Gestalten, diese „Adelsclique“ nur geputscht hätten, um ihr Fell zu retten. "Das war dann aber nicht mehr haltbar, als eine Kommission der SED erkannte, dass auch Hitler schon Stauffenberg mit solchen Argumenten beschimpft hatte", sagte Bentzien. Doch die Schwierigkeiten der SED-Führung mit dem Thema blieben bestehen. Erst allmählich und mit der Wiederentdeckung des Preußen-Themas konnte auch die SED-Führung gewonnen werden. Bentzien konnte 1989, im letzten Jahr der DDR, eine Dokumentation ins Fernsehen bringen, die dieses Bild zumindest teilweise korrigiert.
Der alte SED-Funktionär Bentzien, der 1990 das Fernsehen der DDR abwickelte und der CDU-General Schönbohm, der die NVA auflöste, waren sich einig in ihrer Faszination für Stauffenberg und seine Mitstreiter. Für beide verkörpert die Tat der Offiziere die besten preußischen Traditionen - und dazu gehört, wie Schönbohm den Mitverschwörer Henning von Treskow zitierte, auch die Freiheit nötigenfalls aufzustehen gegen ein verbrecherisches Regime.

Zum Thema Der 20. Juli 1944
 Die Operation Walküre , die Stauffenberg und seine Mitverschwörer ausgearbeitet hatten, sah ein Attentat auf Adolf Hitler sowie einen Staatsstreich vor. Bei einer Besprechung in der Wolfschanze in Ostpreußen deponierte Stauffenberg eine Aktenmappe mit Sprengstoff direkt neben Hitlers Platz. Die Sprengladung detonierte um 12.42 Uhr. Hitler überlebte. Am späten Abend meldete sich Hitler in einer Rundfunkansprache zu Wort. Gegen 22.30 Uhr verhaftete eine Gruppe regimetreuer Offiziere Stauffenberg und die Mitverschwörer. Generaloberst Fromm gab noch in der Nacht den Befehl, Claus Graf Schenk von Stauffenberg gemeinsam mit Werner von Haeften, Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim und Friedrich Olbricht standrechtlich zu erschießen. Die Exekution fand um 0.15 Uhr im Hof des Bendlerblocks statt.

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