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Lausitzer Unternehmen mit Mut für neue Märkte

Export als Anker im Lausitzer Strukturwandel

Blick auf das Container-Terminal im Hafen von Qingdao (China). China hat im vergangenen Jahr seine Position als wichtigster Handelspartner Deutschlands behauptet. Mit der Volksrepublik wurden 2017 Waren im Wert von 186,6 Milliarden Euro ausgetauscht, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. China war bereits 2016 an den USA vorbeigezogen und zum größten Handelspartner der Bundesrepublik aufgestiegen. Aus der Lausitz ist zum Beispiel Klärtechnik der LKT GmbH Luckau-Alteno (Dahme-Spreewald) in China gefragt. Die Kontakte zwischen den Luckauern und dem chinesischen Großkonzern Railway Rolling Stock Corporation entstanden im Jahr 2016 auf Initiative der Industrie- und Handelskammer Cottbus. Foto: Yu Fangping/dpa FOTO: Yu Fangping / dpa

Cottbus. Es ist Zeit für neue Märkte – so Thomas Brünig, Osteuropaexperte bei Bals Elektrotechnik und Außenausschuss-Chef der IHK Cottbus.

Die Lausitzer Wirtschaft hat es doppelt schwer. Es gibt zu wenig Industrie und damit auch zu wenig gut bezahlte, spezialisierte Industriearbeitsplätze – eine Schwäche, die für den gesamten Osten Deutschlands typisch ist. Zugleich steht in der Region bereits ein weiterer tiefgreifender Strukturwandel bevor. Der Wandel in der Energie­branche hat seine Schatten längst vorausgeworfen. Tausende Arbeitsplätze sind in Gefahr und ganze Branchen werden wegbrechen, sagt Thomas Brünig. Er möchte gemeinsam mit gleichgesinnten, auslands­erfahrenen Unternehmern und der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus Lausitzer Mittelständlern Mut machen, in neue Märkte aufzubrechen.

„Ein Unternehmen, das nur national tätig ist, ist immer unterlegen in Zeiten wirtschaftlicher und politischer Umbrüche und Umstrukturierungen wie jenen im Lausitzer Revier“, macht Brünig deutlich. Der Sales Manager und Handlungsbevollmächtigte für Osteuropa der Bals Elektrotechnik GmbH & Co KG Bersteland (Dahme-Spreewald) ist im Ehrenamt Vorsitzender des Außenwirtschaftsausschusses der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus. In dem 16-köpfigen Gremium sind Geschäftsführer und Inhaber von bereits langjährig im Auslandsgeschäft erfahrenen Unternehmen vertreten, darunter die Zedas GmbH aus Senftenberg, die Galatea GmbH aus Lauchhammer und die Gerard Pieper Innovationsgesellschaft mbH Lübbenau (alle Oberspreewald-Lausitz), die Kjellberg Technologiepark Finsterwalde GmbH (Elbe-Elster), die Otto Spaarmann Logistics GmbH Forst und die Actemium Bea GmbH Spremberg (beide Spree-Neiße). Sie zeigen, dass es geht, sie wissen um die Schwierigkeiten und wollen ihre Erfahrungen nachnutzbar machen, um mehr Lausitzer Unternehmen für den Einstieg ins Auslandsgeschäft zu gewinnen und ihnen bei den ersten Schritten zu helfen.

„Der Weg in ausländische Märkte ist alles andere als einfach, erst recht nicht in der heutigen Zeit. Protektionismus und Wirtschaftssanktionen haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen“, sagt Silke Schwabe, Leiterin Geschäftsbereich International/Innovation der IHK Cottbus. „Hinzu kommt, dass wirtschaftliche Schwergewichte wie die USA ihre Sanktionen mit exterritorial wirkenden Elementen versehen.“ Das bedeutet mit anderen Worten, dass exportierende Unternehmen bestimmte Rechtsnormen der USA anzuwenden haben, obwohl kein offensichtlicher Bezug zu diesen Rechtsordnungen besteht, erklärt Silke Schwabe. Unternehmen, die auf den Export angewiesen sind, haben stark zu kämpfen. Auch die Bals Elektrotechnik ist nicht verschont geblieben und hat in den vergangenen drei Jahren in der Ukraine Marktanteile verloren. Aktuell unterhalten etwa 70 Südbrandenburger Unternehmen Geschäftsbeziehungen zur Ukraine. Trotz der nach wie vor schwierigen Lage in der Ostukraine scheint sich die ukrainische Wirtschaft insgesamt – wenn auch sehr langsam – wieder etwas zu erholen. Unternehmen wie Bals gewinnen langsam wieder Marktanteile zurück – dank langjähriger Erfahrungen und Partner in der Region. Der Softwareentwickler Zedas GmbH aus Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) wiederum ist dabei, sich nach Aufträgen für chinesische und australische Firmen und zusätzlich zu festen Kooperationen in Skandinavien und in der Schweiz gezielt und dauerhaft global aufzustellen. Dafür gibt es einen simplen Grund, wie Marketingleiterin Ulrike Gollasch deutlich macht: „Der deutschsprachige Raum ist nicht unendlich. Wir sind ein Softwareentwickler für die Bahn, und das ist ein weltweiter Markt.“

(moe)
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