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Neue Ausstellung im Dieselkraftwerk

Micky-Maus-Pillen gegen die Traurigkeit

Steffen Mertens vor seinem Werk „Homo archaikus digitalis“, Blech kaschiert mit Tuschezeichnung. FOTO: Michael Helbig

Cottbus. Der Cottbuser Künstler Steffen Mertens präsentiert sich im Landesmuseum für moderne Kunst als „Zeichner der Besten aller Welten“.

Alles dreht sich um die weltbekannte Micky Maus. Oder doch nicht? Eigentlich ist sie ja der Ausreißer der Ausstellung, die sich vor allem dem zeichnerischen Werk von Steffen Mertens widmet, wie Kuratorin Carmen Schliebe bemerkt. Aus der Ferne sieht die berühmte Disney-Figur aus wie ein Planetensystem. Extra für die Schau entstanden könnte sie also genauso gut diese irrwitzigen, vielschichtigen Werke umkreisen, die sich derzeit im Landesmuseum tummeln. Rückt man näher heran, öffnet sich ein ganz anderer Kosmos. Zerstörte Behausungen fliegen dem Betrachter entgegen, die Apokalypse hat längst begonnen. Die Rückseite indes ist noch nicht ganz frei von lebendigen Wesen. Einzeller sind zu entdecken zwischen umgestürzten Bäumen, Rückstände menschlicher Gerätschaften, skelettierte Gesichter, die sich langsam in einer ungeheuren Flut auflösen. Und dazwischen eine winzige Micky Maus, die strampelnd versucht zu schwimmen. Vielleicht, so hofft man, doch nun ein wenig erheitert, wird sie ja gar nicht untergehen.

Als Steffen Mertens’ „Micky Maus Planetarium“ schon fertig war, machte ihn seine Frau Barbara Martin, jahrzehntelang war sie Herrin über die Plakatkunst in diesem Museum, auf Ludwig Hirsch aufmerksam. Dieser fabulierte Ende der 1970er-Jahre in einem seiner „dunkelgrauen Lieder“, wie nach dem großen Knall fremde Wesen auf die Erde kommen und Pillen gegen die Traurigkeit verschenken wollen. Da entdecken sie einen Micky-Maus-Film. Und die Fremden „werden in ihr Raumschiff steigen und sagen, sie waren lustig, diese Menschen“, heißt es darin.

„Das Paradoxe fasziniert mich. So ein einziges Grauen, wie ich es in der arabischen Kunst oft entdeckt habe, umgeben von einer heiteren Note“, bekennt Steffen Mertens. Der vielseitige Künstler präsentiert sich bis November im Landesmuseum für moderne Kunst als „Zeichner der Besten aller Welten“. Eine hintergründige Anspielung auf eine satirische Novelle Voltaires, in der er sich mit den Gegebenheiten seiner Zeit auseinandersetzt.

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