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Bildende Kunst

„Das Bild muss eine Geschichte erzählen“

Foto: Besonders beeindruckend: „Trennung“ von Ewald Vetter. Das Ölbild wurde 1933 gemalt WeserFOTO: Jürgen Weser

Senftenberg. Die Kunstsammlung Lausitz in Senftenberg zeigt „Die unbekannte Moderne“ eines Privatsammlers.

Mit einer hochinteressanten Schau bietet die Kunstsammlung Lausitz im Senftenberger Schloss eine künstlerische Entdeckungsreise der besonderen Art. Fünfzig Gemälde zeigen die Vielfalt der Moderne insbesondere mit Arbeiten des sogenannten Expressiven Realismus und verwandter Strömungen. Diesmal stammen die gezeigten Arbeiten nicht aus dem eigenen Bestand der Kunstsammlung Lausitz, sondern sie wurden von dem privaten Sammler TS aus Luckau zur Verfügung gestellt.

Erstmals sieht der Sammler einen Teil seiner Sammlungsbestände in diesem Umfang in einer vorzüglich gehängten großen Ausstellung. Kurator Bernd Gork ist es mit Christiane Meister und Jenny Linke bestens gelungen, Vielfalt und unterschiedliche Bildsprachen der Arbeiten aus dem Zeitraum von 1900 bis nach dem Zweiten Weltkrieg in eine korrespondierende Bildererzählung zu gestalten, die für den Betrachter einen exemplarischen Überblick bietet. „Die unbekannte Moderne“ zeigt eine oft vergessene oder verschollene Künstlergeneration, die nicht zur ersten Reihe der bekannten Maler der Moderne gehören. Die Ausstellung folgt der Intention des Sammlers TS, die Bandbreite expressiv realistischer Darstellungsweisen von Künstlern zu zeigen, die Bewahrenswertes geschaffen haben. Zumeist verraten die Bilder hohe künstlerische Qualität, die gegen den vorherrschenden akademischen Malstil anmalt. Der „Junge Mann mit Dogge“ des jüdischen Malers Hans Feibusch blickt vom Ölbild von 1928 mit selbstbewusster Pose und verrät einen proletarisch-bäuerlichen Hintergrund, die Malerin Margarethe von Kurowski aus gutem Hause hat sich mit „Dachauer Ackerbürger“ ein ungewöhnliches Sujet gesucht, Walter Wellenstein malte mit „Glockenruf“ 1941 einen bitterbösen Weckruf gegen Unmenschlichkeit, und im rein expressionistischen Stil zeigt Walter Jacob sinnbildlich „Kämpfende Kühe“.

„Das Bild muss mir eine Geschichte erzählen“, verrät der Sammler im Kunstgespräch während der Vernissage als Grund für einen Ankauf. Schon als Jüngling sei er zum Sammeln gekommen und über das Studium der Geschichte zur Kunst und zur Sammlung von Kunstwerken. Dabei interessieren ihn bis heute vor allem Bilder über Leben und Tod, vom Widerstand gegen Böses. Er wolle „Verdrängtes und Missachtetes bewahren und Wertvolles wieder bekannt machen“. So ist ein Verdienst seiner Sammlung, Künstler der „verschollenen Generation“ nach dem Ersten Weltkrieg und während des Nationalsozialismus verfolgte oder zur Seite gedrängte, wie Gork in seiner Laudatio würdigte, wieder bekannt zu machen. Dazu will die Ausstellung der Kunstsammlung Lausitz beitragen.

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