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Der aktuelle Kinotipp

Emma Thompson in „Kindeswohl“

Oscarpreisträgerin Emma Thompson als Fiona Maye in einer Szene von „Kindeswohl“. FOTO: dpa / -

München. Ein Film fragt: Was passiert, wenn ich mich in das Leben eines anderen Menschen einmische?

Ein schwerkranker 17-Jähriger benötigt dringend eine Bluttransfusion, doch sein Glaube verbietet ihm die lebensrettende Maßnahme. „Die Seele, das Leben sind im Blut“, begründen seine Eltern. Darf Adam trotzdem zur Behandlung gezwungen werden? Eine Frage, mit der sich die Londoner Familienrichterin Fiona Maye auseinandersetzen muss. Im Drama „Kindeswohl“ spielt die britische Schauspielerin Emma Thompson die Juristin, die diese schwerwiegende Entscheidung treffen muss. Eine Aufgabe, die die versierte Richterin nicht nur fachlich, sondern vor allem auch persönlich an ihre Grenzen bringt und ihr geordnetes Leben aus der Bahn wirft.

Wann weiß ein Teenager selbst, was gut für ihn ist? Erst mit 18? Oder auch schon ein halbes Jahr vorher? Fiona will sich selbst ein Bild machen und besucht den todkranken Jungen im Krankenhaus. Danach steht ihre Entscheidung fest: Adam, beeindruckend gespielt von Fionn Whitehead, soll weiterleben. Sie ordnet die Transfusion an und eröffnet dem 17-Jährigen eine völlig neue Welt, jenseits der strengen Regeln der Zeugen Jehovas, bei denen er nun nicht mehr verankert ist. Adam fühlt eine nie gekannte Freiheit, die ihn erst berauscht, dann aber immer mehr verunsichert. In seiner Not wendet er sich an Fiona, die in seinen Augen für seine jetzige Lage verantwortlich ist. Unerbittlich stellt er ihr nach, auch weil diese starke Frau völlig neue Gefühle in ihm weckt.

Regisseur Richard Eyre inszeniert die Geschichte nach dem Roman von Ian McEwan sehr emotional und immer wieder auch amüsant. Dabei wirft er große Fragen auf: Wie weit darf ich mich in das Leben eines anderen Menschen einmischen? Und wenn ich für ihn Entscheidungen treffe, kann ich ihn mit den Folgen meines Handelns alleine lassen?

(dpa)
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