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Ballettabend

Reigen der betörend schönen Bilder

Szenenfoto aus dem Ballett „Casanova“ im Staatstheater Cottbus. FOTO: Staatstheater Cottbus / Marlies Kross/Theaterfotografin

Cottbus. Im Staatstheater Cottbus feiert Mauro de Candias „Casanova“ die Liebe.

Sein Leben böte Stoff für einen vollen Ballettabend. Giacomo Casanova, 1725 als Schauspielerkind in Venedig geboren, war Doktor der Rechte, Priester, Freimaurer und Vielreisender, der mit Jobs vom Geiger bis zum Spitzel sein Leben finanzierte, zuletzt misslauniger Bibliothekar im böhmischen Schloss Dux, wo er 1798 starb. Er traf Berühmtheiten wie Voltaire, da Ponte und Winckelmann, Friedrich II. und Katharina die Große, ohne eine Anstellung zu erhalten. Vor allem aber war Casanova ein Vielliebender und deshalb ständig Gejagter, dem die Flucht aus den Bleikammern, Venedigs Staatsgefängnis, gelang.

Dass Mauro de Candia der Versuchung widerstand, für seine Choreografie am Staatstheater Cottbus einen prallen Bilderbogen der Lebens- und Fluchtstationen dieses berühmten Abenteurers zu zeichnen, ist klug entschieden. Indes, einen Bilderbogen bieten die 70 Minuten von „Casanova“ als Gastbeitrag des Ballettchefs am Theater Osnabrück schon, einen der amourösen Art. Dass er aber jeden Anflug von Lüsternheit und Voyeurismus meidet, erhebt seine Inszenierung für die Kammerbühne zu einem ästhetischen Genuss und spricht für den Geschmack des Italieners.

Bis zur Mauer geöffnet hat er als sein eigener Ausstatter die Szene, stellt nur eine Schrägwand auf, gegenüber einen Käfig, Anspielung auf Casanovas Inhaftierung, als Voliere für kostbar exotische Vögel ebenso deutbar wie als Pavillon für Eros oder Venus aus barocken Gärten. Von stilisiert barocker Eleganz sind auch die schwarzen Fräcke, mit denen die vier Paare des Cottbuser Balletts eintreten, die Augen noch hinter Masken verborgen.

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