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Auf Lesetour

Ziehsohn Manuel als Dompteur

Wolf Biermann mit Intendant Manuel Soubeyrand in Senftenberg. FOTO: Steffen Rasche

Hamburg/Senftenberg. Wolf Biermann liefert in seinem neuen Buch „Barbara“ auch Episoden aus der Kindheit des Senftenberger Intendanten. Gemeinsam sind beide auf Lesetour.

Eines muss man Wolf Biermann lassen: Er ist ein großer Spötter. Da macht er weder vor Denkmälern wie Brecht und Weigel noch vor Manne Krug halt. Er verschont nicht mal sich selbst und seine Nächsten, wenn er „quasselig sein Herz auf den Tisch legt“. Da erfährt man beispielsweise, dass eine gewisse Barbara, die seinem neuesten Buch den Namen gegeben hat, schuld war an seinem „zerbissenen Wolfsmaul“. Oder dass er seinen Ziehsohn Manuel nie im Schach gewinnen ließ. Und er lässt die Welt auch wissen, wie dieser schon im zarten Kindesalter nicht nur alle Zirkusbücher verschlang, sondern selbst ein Frühwerk verfasste: „Manuel Soubeyrand. Meine Lebenserinnerungen als ehemaliger Dompteur einer gemischten Raubtiergruppe“. Damit der früh­reife Romancier nicht nur in der Fantasie furchtlos blieb, half Biermann mit drei Flaschen Bestechungskog­nak aus dem Intershop nach, die er einem Zirkusdirektor im Plänterwald zusteckte. So wurde der damals zwölfjährige Manuel auf dem Rücken eines Löwen zum Dompteur. „Jetzt ist er auch eine Art Zirkusdirektor“, fügt Biermann an. Na und ein paar Sachen mehr, die gerade in Senftenberg bestimmt verblüfft und wohl auch mit Schmunzeln zur Kenntnis genommen werden.

Der Intendant der Neuen Bühne nimmt es mit Humor. Mehr noch: Mit Vergnügen liest er an der Seite seines Ziehvaters aus dem Buch vor, das im Untertitel ja schon beziehungsreich „Liebesnovellen und andere Raubtiergeschichten“ ankündigt. So besuchten sie auf dieser Lesetour schon gemeinsam Chemnitz, wo Soubeyrand bis 2004 Schauspieldirektor und Chefregisseur am Theater war, – und das Berliner Ensemble, das beide mit ihren ersten aufregenden Schritten in die Theaterwelt verbinden.

Nach seiner Autobiografie „Warte nicht auf bessre Zeiten“ zu seinem 80. Geburtstag 2016 hat Wolf Biermann weitergekramt in seinen Erinnerungen und Episoden weitergesponnen. Herausgekommen sind nun Spottballaden in Prosa an bekannte und unbekannte Zeitgenossen sowie Liebeserklärungen an Frauen, die ihn beeinflussten und die er liebte wie seine Oma Meume, die die unsterbliche Weisheit prägte: „Durch Klugheit wird man dumm!“ Das Ganze ist ziemlich schnoddrig erzählt und meist äußerst vergnüglich zu lesen. Allein mit der Singebewegung in der DDR geht er bitterböse ins Gericht.

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