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Nach dem Anschlag von Halle

Inszenierte Kaltblütigkeit

Christine Keilholz FOTO: LR / privat

Was bedeutet der Anschlag von Halle für unser Land? Die Antwort ist bestürzend einfach: Die Gesellschaft muss sich mit Terroristen befassen, die bereit sind, sich in die öffentliche Aufmerksamkeit zu schießen.

Denn darum ging es Stephan B. Er ist ein typisches Beispiel für den Täter, der aus dem Nichts kam. Der 27-Jährige war unauffällig. Er war nicht als Rechtsextremist bekannt und insgesamt ziemlich uninteressant. Der Mann lief unter dem Radar. Das war sein Problem.

Dieser Mörder wollte raus aus der Bedeutungslosigkeit. Er wollte, dass die Welt ihn kennt. Er wollte ein Held werden, zumindest in den Kreisen, in denen er sich bewegte. Er verfasste ein Manifest, das den Subtext zur Tat liefern sollte. Er inszenierte die Kaltblütigkeit. Er schnallte sich eine Helmkamera um, damit jeder, der es will, seine Sicht auf die Dinge erfährt.

Stephan B. wollte ein Blutbad anrichten. Ein Glück, er schaffte es nicht. Wie können wir uns schützen vor Leuten wie ihm? Indem wir sie im Auge haben. Wir müssen mit ihnen rechnen. Am wichtigsten: Wir dürfen ihnen kein Publikum sein.

⇥christine.keilholz@lr-online.de

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