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Kommentar zum finnischen Experiment

Keine gute Idee

Igor Steinle FOTO: MOZ

Die Erwartungen waren groß: 2000 Finnen haben zwei Jahre lang ein bedingungsloses Grundeinkommen erhalten. Welche Auswirkungen würde das auf ihr Leben haben? Der Erkenntnisgewinn jedoch ist nun überschaubar.

Zu gering ist der Betrag, den sie erhalten haben, zu exklusiv der Kreis der Begünstigten und zu kurz der Bewilligungszeitraum. Wer wird schon auf die Arbeit­suche verzichten oder seinen Job hinschmeißen, weil er für einige Zeit etwas mehr Geld erhält? Hier offenbart sich das Dilemma des Grundeinkommens: Um herauszufinden, wie es wirkt, müsste man es großflächig und langfristig einführen. Ganz verschenkt ist das Geld trotzdem nicht, denn eine Erkenntnis bleibt: Das Bürgergeld wirkt sich positiv auf das psychische Wohlbefinden Arbeit­suchender aus. Das sollte man in der Debatte über Hartz-IV-Sätze und Sanktionen berücksichtigen. Aber nicht nur da.

Denn worum geht es den Grundeinkommensbefürwortern? Sie versprechen sich weniger Existenzangst. Das ist ein legitimer Wunsch in einer Gesellschaft, in der Erfolg  auch mit persönlicher Erfüllung gleichgesetzt wird. Ein Wunsch, der jedoch von vielerorts explodierenden Mieten und starren Arbeitsverträgen unter Druck gesetzt wird. Es ist höchste Zeit, diese Probleme engagierter anzugehen. Ein Grundeinkommen jedoch wird sie nicht lösen. Es könnte sogar viel verschlechtern. Denn bezahlbar wäre es nur, wenn es alle anderen staatlichen Leistungen ersetzt. Das würde dann schlimmstenfalls zum Gegenteil all dessen führen, was die Befürworter sich eigentlich wünschen.

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