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Leitartikel

Johnson bleibt nur noch Hoffnung

Hendrik Bebber FOTO: Südwest Presse Ulm

In klassischen englischen Krimis serviert der Butler seinem Hausherrn als Ausweg aus einer hoffnungslosen Situation auf dem Silbertablett ein Glas Whisky und einen Revolver.

Boris Johnsons Alternative nach dem vernichtenden Urteil des höchsten britischen Gerichtshofs zeichnet sich womöglich in der jüngsten Übersicht des Dach­verbandes der Buchmacher ab. Dort stehen die Wetten zehn zu elf, dass er Ende des Jahres noch Premierminister ist.

Die Bilanz seiner kurzen Regierungszeit ist furchtbar. Er verlor fünf Abstimmungen im Parlament und vernichtete seine hauchdünne Mehrheit im Parlament durch den Rausschmiss von Abgeordneten, weil die seiner harten Brexit-Strategie widersprachen. Der infame Trick, das Parlament wegen einer angesetzten Thronrede durch einen Zwangsurlaub auszuschalten, wurde nun vom Gericht als massiver Angriff auf die fundamentalen demokratischen Prinzipien gebrandmarkt. Im Klartext ist Johnson nun ein Lügner, der arglistig die Königin übertölpelte, um die Genehmigung für die sogenannte Prorogation des Parlaments zu bekommen.

Johnson hat unglaubliche Steherqualitäten. Aber der Verdacht, dass er die Queen missbrauchte, dürfte eingefleischte Monarchisten bei den Torys heftig ärgern. Nach dem neuen Fiasko sind Johnsons Chancen, in letzter Minute beim EU-Gipfel im Oktober noch einen Deal zu erreichen, „null und nichtig“ geworden. Er kann nur noch hoffen, dass die Allianz der Oppositionsparteien gegen einen harten Brexit im Wahlkampf auseinanderbricht und die Torys dank des Mehrheitswahlsystems doch noch zur stärksten Partei werden. Sein Waterloo hat er jetzt schon erlebt.

politik@lr-online.de

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