ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
Kolumne Post aus Potsdam

Kitsch und Krempel

Benjamin LassiweFOTO: LR / Redaktion

Wer das erste Mal vor den Vitrinen steht, muss unwillkürlich erschrecken. Denn im großen Tagungsraum der Potsdamer Staatskanzlei finden sich – fein säuberlich hinter Glas und natürlich auch ordentlich beschriftet – jede Menge Gastgeschenke, die Brandenburgs Ministerpräsidenten im Laufe der Jahre erhalten haben.

Privat mit nach Hause nehmen dürfen sie sie nicht, denn die Präsente sind schließlich Landeseigentum.

Aber ganz ehrlich – diese Gefahr besteht wohl auch gar nicht. Wer würde sich schon einen überdimensionierten chinesischen Gong, den der Vizegouverneur der Provinz Hebei 1999 dem Land Brandenburg überreichte, in seine Wohnung stellen? Oder ein Schmuckkästchen, das aus Chile stammt? Ohnehin scheint man sich in der Staatskanzlei nicht mehr ganz so sicher zu sein, wer eigentlich für welches Präsent verantwortlich war: So findet sich in einer der Vitrinen auch eine Taschenuhr in Form eines aufklappbaren  goldenen Apfels, die auf ihrer Innenseite ein orientalisches Herrscherpaar zeigt. Und einen Text in einer fremden Sprache, der auf eine Herkunft aus Indonesien oder dem arabischen Raum hindeutet. Doch auf dem Schild vor dem Geschenk wird der slowakische Generalbischof Julius Filo als Geber erwähnt – was irgendwie nicht zu passen scheint.

Nur bei einem Objekt werden wohl auch noch in Jahrzehnten keine Zweifel daran bestehen, von wem die edle Gabe ist. Denn in einem goldenen Bilderrahmen findet sich ein großes Porträt der schwedischen Königin Silvia, überreicht im Jahre 1991 und handsigniert mit blauer Tinte. Dass es nach fast dreißig Jahren immer noch repräsentativ in der Vitrine steht, zeigt, welchen Eindruck dieses Foto in den ersten Jahren des Landes Brandenburg hinterlassen haben muss. Aber Potsdam war eben schon immer eine königliche Residenz.

top