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Kommentar

Ein Deutscher muss an die Spitze der EZB

Guido BohsemFOTO: LR

Politik, gute und auch nur gut gemeinte, lebt immer auch von symbolischen Handlungen. Es geht um Bilder, Gesten und manchmal auch darum, Posten an die richtigen Leute zu vergeben. Ein solcher Symbol-Moment ist jetzt gekommen.

In gut einem Jahr wird Mario Draghi seinen Chefposten bei der Europäischen Zentralbank (EZB) räumen. Doch schon jetzt stellt sich die Frage, wer Nachfolger des Italieners sein wird, der das Euro-System in den vergangenen acht Jahren durch die schlimmste Krise seit Einführung der gemeinsamen Währung führte. Für die Bundesrepublik und für Europa wäre es gut, wenn ein Deutscher Draghis Nachfolger würde.

Draghi – oder besser gesagt, der von ihm geführte Zentralbankrat – war es, der den Euro durch eine anhaltende Niedrigzinspolitik und durch einen massenhaften Ankauf von Staats- und Unternehmensanleihen rettete. Diese Politik verwandelte Draghi in den Augen vieler Deutscher in einen Verbrecher und Gefährder des Wohlstands. Draghi wird angekreidet, die sparsamen Bundesbürger zu enteignen und mit deren Geld die verschwenderischen Südländer zu päppeln. Deutschland ist das Opfer, Draghi der Täter. So geht das Lied, und aus seiner Melodie formte sich die AfD.

Es ist notwendig, die Bundesbürger wieder mit der EZB zu versöhnen, und das kann nur mit einem EZB-Präsidenten aus Deutschland gelingen. Jens Weidmann, der dazu noch in dem Ruf steht, ein stabilitätsorientierter Geldpolitiker zu sein, wäre dafür ein geeigneter Kandidat. Doch um sein Ziel zu erreichen, fehlt ihm die Unterstützung aus Berlin, weil Kanzlerin Angela Merkel es für sinnvoller hält, sich für einen deutschen Präsidenten der EU-Kommission einzusetzen. Das könnte sich noch als großer Fehler erweisen. Spätestens dann, wenn die EZB ihre Zinsen wieder anhebt und die hochtourig laufende deutsche Wirtschaft ins Stottern gerät.
politik@lr-online.de

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