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Kommentar zur Vergabe des Friedensnobelpreises

Eine gute Entscheidung

Günther Marx FOTO: MOZ

Es kommt nicht oft vor, dass ein Mann, der in einem autoritären politischen System Karriere macht, beginnt, die Verhältnisse umzukrempeln – zum Wohle des Landes.

Mit Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed wurde nun so ein Mann mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die Entscheidung gehört, wie das nahezu einhellig positive Echo aus aller Welt zeigt, zu den glücklicheren der jüngeren Nobelpreisgeschichte. Auch die Anhänger der für den Preis nominierten Schwedin Greta Thunberg werden das so sehen.

Äthiopien ist dank seiner 3000-jährigen Geschichte ein Solitär in der afrikanischen Staatenwelt. Gemeinsam mit dem Kontinent hat das Land aber die wirtschaftliche Unterentwicklung, große Armut und immer wieder aufbrechende gewaltsame Konflikte im Kampf um knappe Ressourcen und Einfluss. In Äthiopien gibt es das bei mehr als 100 Ethnien im Übermaß. Keine leichten Voraussetzungen für eine positive Entwicklung.

Letzteres aber hat Abiy Ahmed, seit er 2018 die Regierungsgeschäfte übernahm, mit großer Energie angepackt. Der Friedensschluss mit Eritrea beendete einen jahrzehntelangen blutigen Konflikt. Politische wie wirtschaftliche Reformen im Innern versetzten das Land in eine Aufbruchstimmung, die vor Kurzem noch unvorstellbar war und inzwischen als Signal für ganz Afrika gilt. Gewiss, es ist erst ein Anfang, der immer wieder gefährdet wird, aber es ist ein starker Anfang. ⇥politik@lr-online.de

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