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Leitartikel

Rechter Theoretiker mit rotem Parteibuch

Werner KolhoffFOTO: LR / Redaktion

Thilo Sarrazin hat der Ausländerfeindlichkeit Argumente gegeben, dicke Bücher voll. Mit steilen Thesen und gewagten Privatanalysen des Islam. Sarrazin ist kein unabhängiger Experte, sondern ein Einpeitscher.

Alles, was er sagt und schreibt, läuft auf einen Kreisschluss hinaus: Die Muslime sind nicht integrierbar. Also versuchen wir es erst gar nicht. Das liegt am Islam an sich, der sich auch in aufgeklärter Umgebung nicht verändert.

Sarrazin gibt nicht nur dem Islam keine Chance, sondern auch allen Muslimen nicht – schon gar nicht den Zugewanderten. Sie sind für ihn eine unterschiedslose Masse, die sich rasant vermehrt. Bis zur „feindlichen Übernahme“, wie sein neues Buch heißt. Also bleibt nur die Abwehr. Warum das von vielen so begierig gelesen wird? Weil es das Gewissen entlastet, indem es aus irrationaler Fremdenangst und Rassismus einen Akt der Selbstverteidigung macht. Etwas Rationales.

Für eine humanistische Partei wie die SPD ist es ein Grund zur Scham, dass so einer aus ihrem Schoß gekrochen ist. Aber es sind schon zwei Ausschlussverfahren gescheitert, einfach, weil das Meinungsspektrum in einer Partei breit sein darf. Man hätte eben bei der Aufnahme besser aufpassen sollen. Ein drittes Verfahren würde dem Buchautor die ganz große Bühne geben – und scheiterte es erneut, den ganz großen Triumph. Es ist besser, wenn die SPD diesen Ärger herunterschluckt. Der Mann hat seine Bedeutung nicht als Sozialdemokrat. Anders als zum Beispiel Ex-Kanzler Gerhard Schröder, dessen Aktivitäten für Russland das Ansehen der Partei viel stärker berühren.

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