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Leitartikel zu neuen Formen der Mobilität

Machen statt jammern

Dorothee Torebko FOTO: lr / LR

German Angst ist im Ausland ein fester Begriff. Er beschreibt das ausgeprägte Sicherheitsbedürfnis der Deutschen. Wissenschaftler führen es auf die traumatischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts zurück: den Ersten Weltkrieg, die große Inflation, die Nazizeit, den Zweiten Weltkrieg.

Natürlich ist Angst kein ausschließlich deutsches Phänomen. Doch sie hat hierzulande eine große emotionale Intensität. Sie hat auch heute Hochkonjunktur – mit negativen Folgen. Denn die Angst vor dem Scheitern und das Festhalten an alten Strukturen bremst Innovationen, verhindert Risikofreude – und noch schlimmer: führt zu Stillstand.

Die Angst vor Fehlern zeigt sich in allen Bereichen: dem Gesundheitswesen, der Digitalisierung, der Landwirtschaft. Besonders deutlich wird sie derzeit aber im Verkehrssektor – eigentlich der Paradedisziplin der Deutschen.

Angst kann sich das Land gerade hier aber nicht leisten. Denn die Transformation der Mobilität ist eine der größten industriellen Umwälzungen und entscheidet darüber, ob Deutschland konkurrenzfähig bleibt. Sie entscheidet über Hunderttausende Arbeitsplätze. Skeptisch wird daher jede neue Idee gesehen. Ingenieure tüfteln so lange, bis jeder Fehler ausge­merzt ist – und erst nach vielen Tests, Abwägungen und Zweifeln treffen Manager dann Entscheidungen. Das ist im Bahnsektor so, wo andere Länder schon seit Jahrzehnten ihr Schienennetz digitalisiert haben. Das ist in der Autobranche so, wo die großen Unternehmen längst auf Alternativen zum Verbrenner hätten setzen können, es aber nicht taten.

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