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Leitartikel zu Macron, Merkel und ihre Rolle in der EU

Machtverschiebung

FOTO: MOZ

An Respekt und Zuwendung gegenüber „Madame la Chancelière“ ließ es Emmanuel Macron wirklich nicht fehlen. Zusammen mit „chère Angela“ stellte er beim G7-Gipfel in Biarritz vor ein paar Wochen eine Initiative für mehr Sicherheit in der afrikanischen Sahel-Zone vor.

Dass diese Maßnahme vor allem Merkel am Herzen lag, war dem Auftritt allerdings nicht anzumerken: Während der sommergebräunte Präsident sprühend vor Energie die Pläne umriss, trug die Kanzlerin ihren Part eher uninspiriert vor, müde ins Rampenlicht blinzelnd.

Eine kleine Szene am Rande, gewiss, doch die Scheinwerfer beleuchteten zugleich etwas Größeres: Eine deutliche Machtverschiebung nämlich. Die „liebe Angela“ ist längst nicht mehr die „Königin Europas“, als die sie jahrelang den Ton in der EU angegeben hatte. Das liegt natürlich daran, dass sie selbst ihrer Macht – mit dem Verzicht auf Parteivorsitz und erneuter Kandidatur fürs Kanzleramt – den Verfallsstempel aufgedrückt hat. Das liegt aber auch an ihrer Art, die eben so ganz anders ist als die des zupackenden und mitunter wagemutigen Franzosen.

Um beim Gipfel in Biarritz zu bleiben: Dort gelang Macron der Coup, den iranischen Außenminister zu Gesprächen über das Atomabkommen einfliegen zu lassen. Teilnehmer und Beobachter hielten über Stunden hinweg buchstäblich die Luft an, bis klar war, dass die Sache gut verlaufen würde. Allerdings ist, auch das gehört zur Wahrheit, ein messbarer Erfolg der Aktion am Atlantik bislang ausgeblieben. Aber Macron hatte gezeigt, dass er – im Gegensatz zu Merkel – bereit ist, ungewöhnliche Wege und dabei auch persönlich ins Risiko zu gehen, um den Ausgang aus einer Sackgasse zu finden. Das kann mitunter auch grandios schiefgehen, wie die Gelbwesten-Proteste nach Macrons ungestümer Dieselsteuer-Erhöhung zeigten.

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