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Leitartikel Zu Klimaprotest und Klimagipfel

Merkels CO2-Preis könnte ihre Agenda 2010 werden

Guido Bohsem FOTO: LR

Die Hohepriester des Planeten waren nicht zufrieden. Zwar haben die Spitzen der Groko absurde 19 Stunden lang an ihrem Vorhaben gegen den Klimawandel gerungen, vieles vereinbart und in die Spur gesetzt.

Doch es war nicht genug. Die deutschen Führungsfiguren der „Fridays for Future“-Bewegung bezeichneten das 22-seitige Beschlusspapier umwendend als Skandal – ohne freilich die Beschlüsse genau studiert zu haben. Glaubt man den Umweltverbänden, ist das auch gar nicht nötig. Anders ist nicht zu erklären, dass sie schon vor Beginn der Verhandlungen zu einer Pressekonferenz an diesem Montag einluden. Thema: „Nach dem Versagen des Klimakabinetts“.

Manche Klimaaktivisten gleiten mit ihren berechtigten Forderungen in einen unschönen Rigorismus ab. Sie teilen die Menschheit in genau zwei Gruppen ein: Auf der einen Seite stehen die Klima­freunde, auf der anderen die Klimagegner. Es geht dann nur noch um Gut oder Böse. Der Vorteil liegt auf der Hand. Flackert doch das ideologische Lagerfeuer umso munterer, an dem sich alle Gleichgesinnten in wohliger Angst vor der Apokalypse wärmen.

Wer versucht, den gedanklichen Gegensatz aufzulösen, stört das Idyll. Weil Kompromisse nie genug sein können, werden sie skandalisiert. Weil die Ansprüche so hoch liegen, kann „die Politik“ nur enttäuschen, selbst wenn sie – wie gefordert – handelt. Auch eine Regierungstruppe, die weniger sklerotisch wirkt als die Groko, könnte in diesem Spiel nur verlieren.

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