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Kommentar

Bürgschaft wäre keine Rettung für längere Zeit

Dieter Keller FOTO: MOZ

Berlin. Wenn großen Unternehmen die Pleite droht, kommen die Politiker. Bei kleinen kommt gleich der Insolvenzverwalter. Dass an dieser Regel etwas dran ist, zeigt der Fall Condor: Der deutsche Charterflieger hat nach der Insolvenz seiner britischen Mutter Thomas Cook prompt eine Staatsbürgschaft vom Bund und vom Land Hessen für einen 380-Millionen-Kredit bekommen.

Viel Geld gemessen an den 150 Millionen Euro, die Air Berlin erhielt – und trotzdem scheiterte.

Es ist immer gefährlich, wenn sich der Staat mit Bürgschaften einmischt: Er droht überholte Strukturen zu stützen. Unter diesem Aspekt ist Condor ein Sonderfall: Die Firma macht deutlichen Gewinn. Das Problem ist die Muttergesellschaft. Zudem bekommen bei einer Insolvenz auch andere große Reiseveranstalter Probleme, weil nicht so schnell genug Ersatzflüge aufzutreiben sind. Ob sich allerdings ein neuer potenter Eigentümer finden lässt, ist völlig offen.

Bei Thomas Cook Deutschland, die ebenfalls eine Staatsbürgschaft will, ist der Fall anders: Es gibt genug Reiseveranstalter in Deutschland als Alternative. Die Briten und ihre Töchter haben wichtige Trends verschlafen. Deswegen macht es keinen Sinn, sie mit Staatsgeld zu stützen: Es wäre wohl kaum eine Rettung für längere Zeit. So hart es für die Mitarbeiter ist: Staatshilfe ist nicht angebracht.⇥politik@lr-online.de

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