ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
60 Jahre deutsche evangelische Gemeinde in Breslau

Der Kirchen-Bote bringt ein Stück Heimat

Magdalena und Thomas Maruck kommen regelmäßig zur deutschen Messe. FOTO: Marie Baumgarten

Breslau/Wroclaw. Es gibt sie in ganz Polen nur ein einziges Mal: die deutschsprachige Gemeinde der evangelischen Kirche. Ihr Gotteshaus steht in Breslau. Es wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, aber vor genau 60 Jahren ist die Kirche wiederaufgebaut worden.

Im Zentrum von Breslau, an einem der belebtesten Plätze der niederschlesischen Metropole. Gegenüber das überlaufene Einkaufszentrum „Galeria Dominikanska“. Hier steht die St.-Christophori-Kirche, in der die einzige deutschsprachige Gemeinde der polnischen evangelischen Kirche beherbergt ist.

Überragt zur ihrer rechten und linken von der ehrwürdigen, heute altkatholischen Maria-Magdalenen-Kirche und der Dominikanerkirche, mag sie so manchem erst beim zweiten Blick ins Auge fallen. Doch gerade im Vergleich zu den großen prunkvollen Kirchen der Stadt besticht das Gotteshaus der St.-Christophori-Gemeinde durch seine Schlichtheit. Für Thomas Maruck aus Jauernick bei Görlitz macht eben das den Charme der Kirche aus. „Es erinnert mich an die Kirche, in der ich getauft wurde“, sagt der 59-Jährige. Er besucht heute mit seiner Frau Magdalena und der gemeinsamen Tochter Hedwig seit deren Geburt vor fünf Monaten erstmals wieder die deutsche Messe und freut sich, von der kleinen Gemeinde so herzlich begrüßt zu werden.

Magdalena Maruck stammt aus Goldberg (Złotoryja). Aus ihrer Studienzeit in Breslau hat sie noch immer ihre Wohnung behalten und pendelt zwischen hier und Jauernick. Obwohl sie wie ihr Mann römisch-katholisch ist, zieht sie es vor, in die kleine deutsche Gemeinde zu kommen. Der Vorteil: Es ist hier ein bisschen wie in einer Familie, aber trotzdem gar nicht so viel anders als in den großen katholischen Kirchen: „Diese lutherische Messe ist sehr interessant, man nennt sie heilige Messe. Gerade wenn man wie ich in Polen groß geworden ist, denkt man, die Evangelischen machen Gottesdienste. Aber die lutherische alte Messe ist wie die tridentinische Messe ins Deutsche übertragen. Das ist einfach herrlich, wirklich toll“, schwärmt die 34-Jährige. „Wir pflegen die alte schlesische Tradition im Gottesdienst, deswegen ist der Gottesdienst auf Deutsch“, sagt Pfarrer Andrzej Fober. Der 60-Jährige betreut rund 120 Gemeindemitglieder in ganz Niederschlesien, bis Lauban und Görlitz-Ost und auch viele Vertriebene, die in Deutschland leben. „Sie waren hier einmal zu Hause und halten Kontakt mit uns. Viele beziehen unsere Quartalszeitschrift ,Christophori-Bote‘. Oft sagen sie mir: Wenn Ihre Zeitschrift zu uns kommt, ist das ein Stück Heimat.“

top